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	<title>SEK bulletin - diskutieren Sie mit!</title>
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		<title>Von Reise­berichten und Eindrücken</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Reportage von der letzten Etappe der Nahostreise einer Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK im letzten bulletin gab Anlass zu Diskussionen. Für den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund äussert sich nun der Theologe und Historiker Zsolt Keller zum Thema Mauerbau in &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/von-reise%c2%adberichten-und-eindrucken/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=139&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Reportage von der letzten Etappe der Nahostreise einer Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes  SEK im letzten bulletin gab Anlass zu Diskussionen. Für den  Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund äussert sich nun der  Theologe und Historiker Zsolt Keller zum Thema Mauerbau in Israel.</em></p>
<p><em>Von Zsolt Keller *</em></p>
<p>Dass Christen ins «Heilige Land» reisen und davon berichten, hat eine lange Tradition. Israel beherbergt eine Vielzahl von Kulturgütern, dem das Judentum und Christentum sowie der Islam eine grosse Bedeutung beimessen. Der SEK-Delegierte Christian Vandersee hat für die Novemberausgabe des SEK-Bulletins einen persönlichen Bericht über eine Israel-Reise verfasst, der neben eindrücklichen Schilderungen auch schwierigere Zwischentöne enthält. Die zum Ausdruck gebrachte Empathie gegenüber der misslichen humanitären Lage breiter Bevölkerungsschichten ist nachvollziehbar. Humanitäres Leid ist in jedem Fall zu bekämpfen.<br />
<span id="more-139"></span> Es ist offenkundig, dass die politische Situation im Nahen Osten verschiedenen Interpretationen obliegt. Auch die Sprache – sei sie subtil oder nicht – verrät Standpunkte und Ansichten. Die Reise ging neben dem «Heiligen Land» auch in «besetzte palästinensische Gebiete» oder schlichter in «besetzte Gebiete» oder eher pauschal in den «Nahen Osten», wobei bei letzterem meist auf die Probleme bei der Einhaltung der Menschenrechte hingewiesen wird. Dem Leser wird bei der Lektüre klar, dass hier – auch wenn er nicht explizit genannt wird – vom Staat Israel die Rede ist. Vereinfacht bleibt nach der Lektüre hängen: Israel besetzt, unterdrückt und demütigt. Israelische Soldaten und Politiker – meist ist nur von ihnen die Rede (dabei gibt es offen-kritische Journalisten, Intellektuelle und Politiker im Land) – sind pauschal naiv und in ihren politischen Ansichten unverrückbar. Andere Stimmen gelten eher als Ausnahme.</p>
<p><strong>Israel ist ein demokratischer Staat westlichen Zuschnitts</strong><br />
Vielleicht müsste in einem Bericht auch darauf hingewiesen werden, dass Israel ein demokratischer Staat westlichen Zuschnitts ist, dass in Israel unabhängige Gerichte Recht sprechen, dass in der Knesset lebhaft und sehr kontrovers über diesen Staat, seine Aufgaben, Ziele und seine Identität diskutiert wird. Die israelischen Medien berichten offen über die Ereignisse im Land. Sie nehmen auch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, Unrecht anzuprangern. Schauen wir auf die umliegenden Staaten, so sehen wir auch (absolutistische) Erb-Monarchien, in denen Familien – hoffentlich gerecht und weise – über ihr Volk herrschen.<br />
Reisen leben von Eindrücken und Erinnerungen, die wir mit nach Hause nehmen. Die meisten sind uns lieb, andere fallen befremdend oder unangenehm aus. Diese Eindrücke wollen und müssen wir zu Hause verarbeiten. Die Gefahr, dass von einzelnen Eindrücken auf das grosse Ganze geschlossen wird, ist nicht zu leugnen. Je prägnanter der Eindruck, desto allgemeiner die Aussage. Fremde Eindrücke verarbeiten wir mit uns bekannten und gängigen Bildern. Durch den Vergleich soll beim Gegenüber ein klarer Eindruck entstehen, wovon gesprochen und berichtet wird.<br />
Nehmen wir als Beispiel die «Grenzmauer» oder den Sicherheitszaun, den Israel errichtet hat. Da ist im Bericht vom «real existierenden Israel mit Mauer und Besetzung» die Rede. Dieser Vergleich ist gefährlich: Das Bild des real existierenden Sozialismus der DDR, die die «Berliner Mauer» – das europäische Symbol der schändlichen Teilung zwischen Ost und West – hervorgebracht hat, steigt unweigerlich vor dem inneren Auge auf. Die ältere und mittlere Generation hat die Mauer noch erlebt. Vielleicht standen auch einige Leserinnen und Leser direkt davor oder besser, sie standen an. Diese Mauer ist mittlerweile gefallen. Dem Fall gingen Gespräche und historische Umwälzungen voraus. Es ist gefährlich und auch falsch, Israel mit dem menschenverachtenden Regime der DDR zu vergleichen. In Israel gibt es keine Staatssicherheitspolizei (Stasi), die ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger verfolgt, demütigt und einsperrt. In Israel herrscht kein rigides Einparteiensystem, das sich nur dank enormen finanziellen Hilfen aus dem Ausland an der Macht halten kann.</p>
<p><strong>Der Zaun als sinnvolle und effektive Sicherheitsmassnahme</strong><br />
Mauern und Zäune haben immer zwei Seiten: Aus israelischer Sicht dient der Zaun zur Sicherheit und hat primär die Aufgabe, Terroristen das Eindringen nach Israel zu verunmöglichen. Als Sicherheitsmassnahme ist er sinnvoll und effektiv. Dies lässt sich mit Zahlen eindrücklich belegen: Seit dem Bau des Zaunes im Jahre 2002 sank die Zahl der Selbstmordattentate von 60 auf nahezu 0. Die Anzahl der Verletzten verringerte sich in den ersten drei Jahren nach der Errichtung des Sicherheitszaunes von 2307 auf 113 und die Zahl der Todesopfer sank im gleichen Zeitraum von 451 auf 17. Die an den Grenzübergängen und Checkpoints verursachten Unbequemlichkeiten sind ärgerlich und hie und da auch stossend. Sie sind jedoch vorübergehend. Wenn Menschen bei Attentaten sterben, ist dies endgültig.<br />
Will man die israelischen Massnahmen vergleichen, drängen sich andere Vergleiche auf. Eine Journalistin hat unlängst im Magazin des Tages-Anzeigers einige aktuelle «Mauerbauten» aufgelistet: Ägypten baute 2008 seinen Zaun zum Gazastreifen hin zu einer Mauer aus. Saudi-Arabien investierte unlängst einen zweistelligen Milliardenbetrag in eine Mauer zum Irak. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate wollen illegale Einwanderer aus Oman mit einer Mauer fernhalten. Doch es brauchen nicht immer Beispiele aus dem Nahen Osten zu sein: Die Grenze zwischen Amerika und Mexiko wird auch «Tortilla Wall» genannt. Die chinesische Regierung lässt gerade eine Mauer an der Grenze zu Nordkorea errichten.<br />
Die israelische Politik an der europäischen Vergangenheit und ihren Untaten zu messen, ist nicht rechtens. Die gefährlichen Bilder der Vergangenheit darf man nicht missbrauchen. Sie vermögen eine Wirkung zu entfalten, die das gesellschaftliche Klima nachhaltig vergiften kann. Daran sind Menschen guten Willens kaum interessiert.<br />
Doch eines ist klar: Dass Zäune errichtet und Mauern gebaut werden, stellt kein Ideal dar. Kritik und Solidarität mit den Menschen auf beiden Seiten der Mauer ist ein Gebot. Hier können und müssen wir unsere Kräfte dazu aufwenden, Zäune und Mauern niederzureissen – in den Köpfen und auf den Strassen! Hierin liegt eine grosse gesellschaftliche und politische Herausforderung.</p>
<p><strong>In einer Freundschaft soll und muss Kritik Platz haben</strong><br />
Dennoch lohnt sich ein vertiefter Blick in die Vergangenheit: Das Verhältnis zwischen Israel und Kirche wurde nach 1945 fundamental neu definiert. Waren es doch in der Schweiz insbesondere die evangelisch-reformierten Kirchen, die sich nach den Schrecken des Krieges, den Verfolgten annahmen und eine von Respekt und Dialog geprägte Beziehung zwischen Christentum und Judentum anstrebten. Lange ist die Liste der hervorragenden Frauen und Männern, die sich um den christlich-jüdischen Dialog in der Schweiz verdient gemacht haben. 1977 veröffentlichte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund ein Arbeitspapier («Überlegungen zum Problem Kirche-Israel»), das aus einer Diskussion zum Verhältnis Kirche und Israel hervorgegangen war. Darin war zu lesen: «Wir erachten es als Aufgabe der christlichen Kirchen und aller Christen, für das Lebensrecht des uns verbundenen jüdischen Volkes [...] und seines Staates einzutreten und Israel in seiner zunehmenden Isolierung beizustehen. [...] Wir erachten es genauso als Aufgabe der christlichen Kirchen und aller Christen, für die Würdigung des Lebensrechtes der palästinensischen Araber einzutreten.» Dies sind deutliche Worte und eine Aufgabe zugleich.<br />
Freundschaften und Beziehungen verändern sich mit den Jahren. In einer Freundschaft soll und muss Kritik Platz haben. Auch Beleidigungen kommen vor. Das alles gehört zum Menschen. Alles in allem soll die Basis einer Freundschaft nicht aus den Augen verloren werden. Ehrliche Kritik ist wertvoll. Sie sollte ausgewogen sein. Dies ist auch die Grundlage eines jeden Dialogs, der immer nach neuen Impulsen sucht.</p>
<p><em>* Zsolt Keller, Dr. phil. et lic. sc. rel., studierte Geschichte und Theologie. Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Geschichte und Kultur der Jüdinnen und Juden in der Schweiz.</em></p>
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		<title>«Korruption kann alle treffen»</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:47:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor Korruption ist kein Unternehmen gefeit – auch ein Hilfswerk nicht. Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle, des Entwicklungsdienstes der Evangelischen Kirchen in der Schweiz, und Yvan Maillard Ardenti, Verantwortlicher für Faire Finanzen und Korruptionsbekämpfung, erklären, wie sich die &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/%c2%abkorruption-kann-alle-treffen%c2%bb/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=126&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vor Korruption ist kein Unternehmen gefeit – auch ein Hilfswerk nicht. Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle, des Entwicklungsdienstes der Evangelischen Kirchen in der Schweiz, und Yvan Maillard Ardenti, Verantwortlicher für Faire Finanzen und Korruptionsbekämpfung, erklären, wie sich die Hilfswerke gegen die Gefahr wappnen.</em></p>
<p><em>Das Gespräch führe Maja Peter *</em></p>
<p><strong>Nach dem Spendenaufruf für die Überschwemmungsopfer in Pakistan wurden Bedenken laut, die Gelder landeten in falschen Taschen. Sind sie berechtigt?</strong><br />
Dietschy: Ich kann die Bedenken verstehen, weil Pakistan gemäss Transparency International sehr anfällig ist für Korruption. Zudem hat die Regierung Pakistans keinen guten Ruf in der Schweiz, unter anderem weil die Taliban dort tätig sind. Entscheidender für die Spendenbereitschaft war jedoch, dass sich die Flutkatastrophe langsam entwickelt hat. Dadurch war das Ausmass der Überschwemmungen erst mit der Zeit erkennbar. Doch die Hilfsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung war erstaunlich.</p>
<p><strong><span id="more-126"></span>Was wird unternommen, damit das Geld bei den Opfern ankommt?</strong><br />
Dietschy: Die Glückskette verteilt die 41 Millionen Franken nicht über Regierungsstellen an die Bedürftigen, sondern über Hilfswerke, die seit langem vor Ort sind, etwa über das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen HEKS oder über die Heilsarmee. Das HEKS führt monatlich ein Monitoring durch über alle Beträge, die geflossen sind. Dazu kommt die Kontrolle durch die Glückskette.</p>
<p><strong>Transparency International schreibt, Hilfswerke seien besonders anfällig für Korruption.</strong><br />
Dietschy: Korruption kann alle treffen. Wo viel Geld und viel Macht vorhanden sind, ist das Risiko am höchsten. Deshalb ist die klassische Entwicklungszusammenarbeit privater Hilfswerke weniger gefährdet als die staatliche, die über viel mehr Mittel verfügt. Am heikelsten ist die Nothilfe, bei der innert kürzester Zeit grosse Summen in den Ankauf von Gütern investiert werden. Wichtig ist, dass sich die Organisationen der Gefahr bewusst sind und die Mitarbeiter auf einen aussagekräftigen Code of Conduct, ethische Richtlinien, verpflichten.</p>
<p><strong>Es gibt Länder, in denen Korruption zum Alltag gehört. Kann man sich als Hilfswerk diesem Mechanismus entziehen?</strong><br />
Dietschy: Man kann Gegensteuer geben, indem man konsequent eine Null-Toleranz-Strategie verfolgt. Per Defi­nition wird bei der «kleinen Korruption» eine Abhängigkeit des Schwächeren ausgenutzt. Die Hilfswerke sind aber nicht unbedingt in einer schwachen Position.</p>
<p><strong>Bedeutet Null-Toleranz, dass ein Hilfswerk Nachteile zulasten der Hilfesuchenden in Kauf nimmt, weil es keine Bestechungsgelder bezahlt?</strong><br />
Dietschy: Ja. Denn wenn man einmal bezahlt, spricht sich das herum und man muss es immer tun. Deshalb empfehlen wir den Hilfswerken Null-Toleranz. Es gibt eine einzige Ausnahme: Wenn es um das Leben einer Person geht, die in einer lebensbedrohlichen Situation steckt.</p>
<p><strong>Heisst das, in Haiti bezahlen unter Umständen auch Entwicklungshilfeorganisationen Bestechungsgelder, um Schwerkranke mit Medikamenten gegen Cholera zu versorgen?</strong><br />
Maillard Ardenti: Man kann Beamten erklären, dass man als Mitarbeiter eines Hilfswerkes den Code of Conduct befolgen muss. Sie sind manchmal überrascht, dass es so etwas gibt, verstehen dann aber, dass man nicht bezahlt.</p>
<p><strong>Ist Korruption ein kulturelles Problem?</strong><br />
Dietschy: Wenn wir das sagen, tun wir, als wären wir davor gefeit und bräuchten in der Schweiz oder Europa keine Gesetze gegen Korruption. Korruption ist Machtmissbrauch eines Amtsträgers zum eigenen Nutzen oder zum Nutzen eines Dritten. Sie schädigt die Prinzipien der Transparenz und der Gleichbehandlung sowie das Gemeinwohl. Das gibt es leider überall.</p>
<p><strong>Was bei uns weniger vorkommt als in Ländern des Südens, ist die sichtbare kleine Korruption. Korruption im grossen Stil, etwa zwischen Unternehmungen und Ratingfirmen, findet jedoch in den entwickelten Ländern statt. Nur ist sie selten nachweisbar. </strong><br />
Maillard Ardenti: Die Annahme von Geldern aus Korruption durch Schweizer Banken wurde durch das Bankgeheimnis lange Zeit geschützt. Auch Vetternwirtschaft ist hier gang und gäbe, insbesondere im Baubereich. Als kulturelles Phänomen würden wir Schweizer die Vetternwirtschaft oder das Bankgeheimnis trotzdem nicht bezeichnen.</p>
<p><strong>Warum engagiert sich Brot für alle gegen Korruption?</strong><br />
Dietschy: Es ist unsere Pflicht. Denn Korruption macht die Armen noch ärmer und der Machtmissbrauch, der damit verbunden ist, bedrängt die Schwachen. Schon im zweiten Buch Mose des alten Testamentes heisst es: «Bestechungsgeld sollst Du nicht annehmen, denn es macht Sehende blind und verdreht die Sache derer, die im Recht sind.» Korruption schadet der Entwicklung sehr vieler Länder enorm.</p>
<p>Maillard Ardenti: Brot für alle macht Entwicklungspolitik. Wenn Gelder aus dem Süden abfliessen, etwa auf private Bankkonten in der Schweiz, steht im betroffenen Land weniger Geld für Spitäler, Schulen und Infrastruktur zur Verfügung.</p>
<p><strong>Was unternimmt Brot für alle konkret gegen Korruption?</strong><br />
Dietschy: Wir engagieren uns erstens in der Prävention und fordern zweitens von den Staaten Sanktionen. Die Prävention ist wichtig, weil der Nachweis von korruptem Verhalten selten gelingt. Sie beginnt mit der Analyse der eigenen Organisation: Wo sind die Schwachstellen, wo vereint eine Person viel Macht auf sich? Die Möglichkeiten für Bestechung müssen eingeschränkt werden. Zum Beispiel durch das Vier-Augen-Prinzip:, Zahlungsaufträge sollten immer von zwei Personen signiert werden. Die Organisation soll Ehrlichkeit, Transparenz und Rechtstreue hochhalten und fördern. Wir haben zwei Broschüren für Nicht-Regierungsorganisationen herausgegeben zur Evaluation der Risiken in der eigenen Organisation mittels eines Ratgebers und einer Checkliste.</p>
<p>Brot für alle ist seit 2003 beteiligt an einer Sensibilisierungskampagne in westafrikanischen Kirchen und Schulen. Warum diese beiden Institutionen?<br />
Dietschy: Einerseits, weil Kirchen und Schulen auch betroffen sind von Veruntreuung, Vetternwirtschaft und Bestechung. Anderseits haben Kirchen einen hohen moralischen Anspruch. Sie sind an einem guten Ruf interessiert. Und in den Schulen werden die Jugendlichen sensibilisiert für Machtmissbrauch. Sie tragen das Thema nach Hause und in die Gesellschaft.</p>
<p><strong> Was haben Sie mit der Kampagne erreicht?</strong><br />
Maillard Ardenti: Dank der Zusammenarbeit mit natio­nalen Kirchenräten Westafrikas konnten wir 300 Schulen mit 600 000 Schülerinnen und Schülern über das Thema informieren. 70 Prozent von ihnen waren an der Schule schon einmal mit Korruption konfrontiert. Lehrer verlangten zum Beispiel für gute Noten Sex. Zur Kampagne gehörten Clubs, Videos, Lied- und Gedichtwettbewerbe sowie Sketches. Durch die öffentliche Diskussion wurde den Betroffenen der Rücken gestärkt. Danach haben sich einige Schulen offiziell zu «korruptionsfreien Schulen» erklärt.</p>
<p>Dietschy: Mit den Kirchen wurden theologische Argumente für Predigten gegen Korruption erarbeitet. Wir arbeiten darauf hin, dass in fünf Ländern Westafrikas Antikorruptionskommissionen der Kirchen eingerichtet werden.</p>
<p><strong>Was tut Brot für alle auf politischer Ebene gegen Korruption?</strong><br />
Dietschy: Wir setzen uns im Süden für eine bessere Entlöhnung von Lehrpersonal und für den Schutz von Whistleblowern ein, also von Menschen, die Missstände in einer Organisation anprangern. In diesem Bereich hinkt auch die Schweiz hinterher. Zudem sollte das Missverhältnis zwischen den Ressourcen der Strafbehörden gegenüber jenen des organisierten Verbrechens korrigiert werden.</p>
<p><strong>Woran mangelt es in der Schweiz sonst noch?</strong><br />
Dietschy: Es liegt noch immer von Diktatoren veruntreutes Volksvermögen auf Schweizer Konten. Die neue Gesetzgebung zur Rückführung solcher Potentatengelder bringt einen grossen Fortschritt mit sich: In Zukunft werden die Diktatoren beweisen müssen, dass sie ihr Geld rechtmässig erwirtschaftet haben.</p>
<p>Maillard Ardenti: Leider hat diese neue Gesetzgebung noch Lücken: die Schweiz erwartet immer noch ein Rechtshilfegesuch des Landes. Die Verantwortlichen dort sind meist eng verbunden mit dem Potentaten, weshalb es selten zu Rechtshilfebegehren kommt – oder zu spät.</p>
<p><em>* Maja Peter ist Redaktorin des bulletins.</em></p>
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		<title>Gewinnen ist alles</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:47:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir leben in einer Zeit zunehmender Kommerzialisierung des Leistungs­sports. Die menschliche Dimension von Wettkampf und Leistung findet je länger je weniger Beachtung. Die damit verbundenen spirituellen und ethischen Herausforderungen werden ausgeblendet. Von Denis Müller * Der Sprache des Sports bedient &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/gewinnen-ist-alles/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=130&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wir leben in einer Zeit zunehmender Kommerzialisierung des Leistungs­sports. Die menschliche Dimension von Wettkampf und Leistung  findet je länger je weniger Beachtung. Die damit verbundenen spirituellen und ethischen Herausforderungen werden ausgeblendet.</em></p>
<p><em>Von Denis Müller *</em></p>
<p>Der Sprache des Sports bedient sich schon Apostel Paulus im Neuen Testament. Er schreibt in seinen Briefen vom Lauf des Gläubigen auf dem Weg zum ewigen Leben oder von der Anstrengung zur Erlangung des Siegeskranzes. Durch die Begriffe «siegreicher Lauf» und «guter Kampf des Glaubens» wird eine profane und heidnische Wirklichkeit religiös codiert.<br />
<span id="more-130"></span>Entlehnt hat Paulus diese Sportmetaphern seinen stoischen Quellen und hat sie frei in den theologischen Diskurs über Heil und Glauben einfliessen lassen. In der Folge nahmen die Kirchenväter diese Bilder wieder auf, wollten sie doch die Glaubensinhalte in der heidnischen Gesellschaft verbreiten. Sie taten dies inmitten der Imperien mit ihren Stadien, ihren olympischen Spielen und ihren Gladiatorenkämpfen, also inmitten sportlicher Aktivitäten von unbestreitbarer Ambivalenz.</p>
<p>Doch ist es zulässig, Paulus’ Sportmetaphern einzusetzen, um mit ihnen den religiösen, ja magischen und absoluten Charakter des modernen Sports auszudrücken? Hier stossen wir an eine Grenze, die zu überschreiten wir uns hüten sollten. Gefordert ist vielmehr die kritische Beurteilung der Bedeutung des modernen Sports, insbesondere der sportlichen Leistung in unserer fortgeschrittenen neoliberalen kapitalistischen Gesellschaft.</p>
<p><strong>Berufssportler müssen siegen</strong><br />
Die sportliche Leistung erzeugt unterschiedliche Verhaltensweisen mit je eigenen Zielen. Amateursportler, die regelmässig für den Murtenlauf, für den Berglauf Siders–Zinal, für den Marathon von Biel, Lausanne oder gar New York trainieren, streben in erster Linie die persönliche Leistung, die «gute Zeit», die Verbesserung der Fitness und der mentalen Widerstandskraft an. Wichtig ist nicht der Sieg über die anderen. Was zählt, ist der Sieg über sich selbst oder, mehr noch, Selbstüberbietung und Selbstverwirklichung. Berufssportler kennen ganz andere Massstäbe. Hier ist die Rede vom Sieg um jeden Preis, von unmässigen Salären, von immensen politischen und wirtschaftlichen Erwartungen, von der ständigen Gefahr von Betrug, Korruption oder gewalttätigen Fangruppen.<br />
Das scheinbar uneigennützige Leistungsstreben der Hobbysportler riskiert stets, in das permanente Streben nach Perfektion und Selbstbestätigung zu kippen. Theologisch und spirituell gesehen kann dies in verdienstvolles Tun, aber auch in Selbstrechtfertigung münden. Indem ich mit einer Leistung immer wieder über mich selbst hinauswachse, überzeuge ich mich schliesslich von meinen eigenen Meriten, davon, dass ich «der Sache gewachsen» und «der Beste» bin, dass ich den «Ruhmestitel» erlangt habe. Derselbe Apostel Paulus, der den Weg des Gläubigen mit einer Sportveranstaltung oder olympischen Spielen vergleicht, beschwört uns, uns vor dieser Angeberei oder diesem unangebrachten Stolz zu hüten. Wir sollten uns nicht damit brüsten, selber die Urheber unseres Erfolgs oder unseres Talents zu sein.</p>
<p><strong>Sport schärft Sinn für Strategie</strong><br />
Die Versuchung zur Glorifizierung, zur Glanzleistung, die einzig der Selbstbestätigung dient, ist gepaart mit der mimetischen Rivalität mit dem Gegner, der schon bald zum Feind mutiert. So verkommt der Sieg zum Selbstzweck, wird Ausdruck unseres Begehrens, den anderen zu dominieren. Und unversehens verwandelt sich Wettstreit in Gewalt, Respektlosigkeit und Verachtung. Der Drang zu siegen ist eine Versuchung, die in Fanatismus abgleiten und uns davon abbringen könnte, nach dem Sinn von Leben und Glauben zu fragen.</p>
<p>Trotzdem gibt es keinen Grund, sportlichen Aktivitäten jeglichen schöpferischen Wert abzusprechen. Wettstreit, als Spiel verstanden, ist für das Geschöpf Mensch eine mögliche Ausdrucksform seines Strebens nach Wahrheit, Schönheit und Gerechtigkeit. Wettstreit an sich ist nicht feindselig, gewalttätig oder zerstörerisch. Er strebt nicht zwangsläufig danach, den anderen – physisch, moralisch oder gesellschaftlich – zu eliminieren, vielmehr dient er auch dazu, sich mit dem anderen respektvoll und fair zu messen und ihm dabei die Chance einzuräumen, seinerseits zu siegen. Denken wir an Karten- oder andere Gesellschaftsspiele: Solche Aktivitäten fordern nicht bloss die Intelligenz und die Cleverness des menschlichen Geistes heraus, vielmehr schärfen sie den Sinn für Strategie und Organisation. Sie fördern auch das Gedächtnis und die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung und zur zwischenmenschlicher Kommunikation. Weshalb aber will der Mensch unbedingt siegen? Das wollte Klippies Kritzinger, ein weisser südafrikanischer Theologe und Missionswissenschaftler, von mir wissen, als ich vor einigen Jahren an der Universität Pretoria, Südafrika, eine Vorlesung hielt.<br />
In den Köpfen existiert eine unbewusste Verbindung zwischen der angeblichen Gewaltlosigkeit des Fussballs (um dieses Beispiel heranzuziehen) und der in der Gesellschaft virulenten Gewaltbereitschaft. Indem die dem Fussball eigene symbolische Gewalt vertuscht wird, wird uns vorgegaukelt, es gebe einen olympischen Waffenstillstand oder schlicht eine sportbedingte Auszeit der Gewalt. Zuweilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, gigantischen und superreichen Organisationen wie dem Weltfussballverband FIFA oder dem Internationalen Olympischen Kommitee IOC gehe es allein um den geordneten sportlichen Verlauf und den maximalen ökonomischen Profit des Wettstreits. Jedenfalls tun sie, als spiele sich der Sport in einer Art no man’s land fern jeder Gewalt, jeder Bedrohung und jeder Angst ab. Sport aber existiert nicht ausserhalb der Welt und der Gesellschaft, sein Feld befindet sich nicht ausserhalb des Feldes, wo sich unsere gesellschaftlichen Konflikte abspielen. Deshalb ist es nicht richtig, dass die FIFA oder das IOC sich der ethischen und politischen Kontrolle ihrer Aktivitäten durch andere Instanzen entziehen.</p>
<p><strong>Freude am Spiel</strong><br />
Im individuellen oder kollektiven Leistungssport – wie im Leben ganz allgemein – geht es nicht bloss um Wettstreit und Sieg. Der Respekt vor dem Gegner setzt die Selbstachtung und eine Ethik des guten Lebens voraus. Gefordert sind eine gesunde Lebensweise und die zweckfreie Freude am Spiel. So gesehen ist der Sport eine Schule des Lebens. Gewinnen ist nicht alles. Ein erfülltes Leben, Spieltrieb und Lebensfreude, ein selbst bestimmtes Leben gemeinsam mit anderen in weniger ungerechten Institutionen und in weniger von Betrug und Korruption gezeichneten Wettkämpfen – das ist es, was zählt.</p>
<p>Noch hat der Leistungssport einen weiten Weg vor sich, will er uns weiterhin erfreuen, ohne uns immer wieder zu enttäuschen. Hin- und hergerissen zwischen seinen Göttern und seinen Dämonen, zwischen abstossender Korruption und erhebender Leidenschaft, stellt er uns unablässig vor die Frage nach uns selbst und unseren Gesellschaften, nach unseren Werten und unseren spirituellen und beruflichen Leistungen.</p>
<p><em>* Denis Müller ist Professor für Ethik an der Autonomen Fakultät für Evangelische Theologie der Universität Genf und an der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften der Universität Lausanne. Er ist Autor des Buches: «Le football, ses dieux et ses démons. Menaces et atouts d’un jeu déréglé.»  Genf: Labor et Fides 2008.</em></p>
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		<title>Braucht Glaube Kirche?</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:47:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ekklesiologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei reformierte Theologen beantworten die Frage ungleich. Den spätmittelalterlichen Mystikern folgend stellt der Berner Münster­pfarrer Jürg Welter den Menschen unmittelbar vor Gott. Pfarrer Jean-Jacques Beljean erklärt, warum man den Glauben nicht von Beziehungen und somit von der Kirche trennen kann. &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/braucht-glaube-kirche/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=132&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zwei reformierte Theologen beantworten die Frage ungleich. Den</em><br />
<em> spätmittelalterlichen Mystikern folgend stellt der Berner Münster­pfarrer Jürg Welter den Menschen unmittelbar vor Gott. Pfarrer Jean-Jacques Beljean erklärt, warum man den Glauben nicht von Beziehungen und somit von der Kirche trennen kann.</em></p>
<p><em>Von Jean-Jacques Beljean *</em></p>
<p>Die Frage ist für unsere Epoche bezeichnend. Sie löst zwei einander entgegen gesetzte Reaktionen aus:</p>
<ul>
<li>Glaube ohne Kirche ist nichts; die Kirche überliefert den Glauben und ist selbst Gegenstand des Glaubens, da sie im Heilsplan Gottes der Leib Christi ist.</li>
<li>Glaube ist eine persönliche, individuelle Angelegenheit; er gehört in den Bereich des Privaten und erfordert keine Zugehörigkeit zu einer Institution oder Kirche.</li>
</ul>
<p><span id="more-132"></span>Im Sinne einer reformierten Theologie versuche ich, auf die Frage eine nuancierte Antwort zu geben: nicht vermittelnd zwischen den beiden Extremen, sondern jenseits des Gegensatzes.</p>
<p><strong>Glaube manifestiert sich in Beziehung</strong></p>
<p>Glaube ist in erster Linie persönliche Zugehörigkeit, nicht aber individuelle Zugehörigkeit. An dieser Nuance entscheidet sich die Antwort auf die Frage nach der Kirche und dem Glauben. Glaube ist ein Entscheid, ein Weg, ein Akt des Vertrauens zwischen einer Person, die zum Glauben gefunden hat, und ihrem Gott. Dieser Akt des Vertrauens beruht auf einer Vergangenheit, einer Begegnung, einer Information, einer Erleuchtung, einem glaubwürdigen Zeugnis und einem Elan des Herzens. Er entzieht sich – als Akt der Liebe – zuerst einmal der Vernunft. Mit Absicht verwende ich den Begriff «Person» und nicht den Begriff «Individuum». Der Glaube geht nicht bloss einen Menschen persönlich an, sondern auch dessen Beziehungsnetz, das familiäre und berufliche Umfeld. Beginnt eine Person an Gott, an Christus, an den Heiligen Geist zu glauben, wird sie Teil eines Beziehungsnetzes. Gemäss dem Bild des christlichen Gottes, der wesentlich Beziehung ist, mündet der Glaubensakt in eine Beziehung, in eine Beziehung zu Gott, aber auch zu den Mitmenschen. In der gesamten christlichen Tradition ist der Glaube an Gott Glaube an die Dreifaltigkeit. Dieser schöpferische Glaube bringt die Kirche hervor, nämlich die Begegnung derjenigen, die einander nahe stehen und denselben Glauben teilen – im Wirkungsfeld des Lebens selbst – und auch die Begegnungen mit Personen, die andere Überzeugungen teilen. Im Christentum ist der Glaube nicht bloss ein mystischer, intimer Akt des Individuums. Vielmehr manifestiert er sich in Beziehung – in göttlicher wie menschlicher Beziehung.</p>
<p><strong>Jesus hat die Kirche geschaffen</strong></p>
<p>Die Kirche ist eine Schöpfung des Glaubens. Jesus Christus hat nicht nur, wie es ein Therapeut in seiner Praxis täte, Einzelnen Ratschläge erteilt. Jesus Christus hat Menschen versammelt und zum Glauben aufgerufen. So hat er die Kirche geschaffen. Anfänglich mit der Berufung von Jüngern, Aposteln, einem Kreis von ihm nahe stehenden Männern und Frauen. Leider haben nur wenige dieser Frauen Eingang in die Überlieferung gefunden – es seien Martha, Maria und die Samariterin erwähnt. Diese Jüngerinnen und Jünger waren als Erste berufen, die Gute Nachricht zu empfangen, also die Verheissung, wonach das Reich Gottes nahe sei. Sie waren berufen, von dieser guten Nachricht zu leben. Nicht nur jede und jeder in ihrem und seinem Herzen, sondern als Gemeinschaft. Diese jesuanische Strategie war von Anfang an derart offensichtlich, dass sich bereits in den Ursprüngen der Kirche Gemeinschaften gebildet haben, um diesen Glauben gemeinsam zu leben und weiterzugeben.</p>
<p>Diese Kirche erachteten die ersten Christen als derart wichtig, dass sie das Bedürfnis verspürten, dieser Kirche bestimmte, bereits im Neuen Testament ersichtliche Organisationsformen zu geben. Für die reformierte Theologie ist die Struktur unverzichtbar, die Formen hingegen betrachtet sie als zweitrangig. Was zählt, sind die Merkmale dieser Kirche: Verkündigung des Evangeliums nach innen und nach aussen; Spendung der Taufe, die Einbindung in Christus und in die Kirche zugleich ist; Feier des Abendmahls; innere und äussere Diakonie; Gebet; Gemeindeleben.</p>
<p><strong>Zurzeit werden alle Institutionen beargwöhnt</strong></p>
<p>Weshalb ist die Frage, ob Glaube auf Kirche angewiesen sei, heute derart aktuell? Gewiss nicht wegen jener «losen Struktur», welche die Gläubigen gebildet haben. Vielmehr wegen der Anonymität und Trägheit von Institutionen aller Art, die im beginnenden 21. Jahrhundert infrage gestellt und beargwöhnt werden: Staat, Armee, Schule, Banken usw. Was die Kirche anbelangt, ist der Argwohn berechtigt, muss sie doch ein mobiler Leib bleiben, dessen Haupt Christus und dessen Leben der Heilige Geist ist. Eine festgefahrene und allzu träge Organisation darf sie nicht sein. Doch man hüte sich, die Organisation als solche und nicht bloss deren Exzesse zu verurteilen. Die Organisation ist sinnvoll und erfüllt wichtige Aufgaben: Die Kirchen übernehmen innerhalb einer Gesellschaft unersetzliche soziale, diakonische und spirituelle Aufgaben. Wenn es um Begleitung und Entfaltung des spirituellen und sozialen Lebens geht, sind ihre Kompetenzen einmalig. Zudem sei an die aktive Solidarität der strukturierten Kirchen mit den Bedürftigen im In- und Ausland erinnert.</p>
<p>Indirekt alimentieren und ermöglichen kirchliche und kirchennahe Institutionen wie etwa die theologischen Fakultäten die theologische Debatte. Die organisierten Kirchen sind Bollwerke gegen die Exzesse der Gesellschaft wie zum Beispiel Totalitarismus oder Individualismus. Die organisierte Struktur von Kirche und wissenschaftlicher Theologie ist nicht selten ein Schutzschild gegen die Instrumentalisierung des Glaubens zu fundamentalistischen, politischen oder finanziellen Zwecken. All dies wäre unmöglich ohne ein solides organisatorisches und institutionelles Fundament.</p>
<p><strong>Der Glaube wirkt in der Gesellschaft</strong></p>
<p>Die Begriffe persönlicher Glaube und Kirche sind nicht inkompatibel. Bringen wir sie zusammen! Individueller, allein gelebter Glaube führt zu Sterilität, Einseitigkeit und Willkür. Der Glaube ist auf die Kirche angewiesen, garantiert sie doch dessen Treue zum Evangelium. Eine überorganisierte Kirche wiederum verdorrt und verkommt zum blinden Machtapparat. Sie ist angewiesen auf den Glauben, wie ihn Calvin, Martin Luther King oder Mutter Teresa gelebt haben, damit sie sich reformieren und verwandeln kann – treu zu Gott, auf den sie sich beruft.</p>
<p>Doch der Glaube greift über die Kirche und deren Rolle hinaus. Er wirkt in der Gesellschaft und für sie. In hohem Masse ist es die Kirche, die es dem Glauben erlaubt, sich als Zeugnis, als Handeln in der Welt herauszubilden, indem sie die Gläubigen theologisch und praktisch ausrüstet. Realität und Praxis sind Prüfstein des Glaubens. Und dies in sämtlichen Lebensbereichen: Im Geschäft, in der Politik, in zwischenmenschlichen Beziehungen. Der biblische, der reformierte Glaube unterscheidet nicht zwischen spirituell und materiell. Es geht ihm um Inkarnation, um die ganze von Gott geschaffene Realität.</p>
<p>Ohne Einbindung in die Kirche und in die Gesellschaft wird der Glaube steril, vergeblich, von seinen Quellen abgeschnitten und deklamatorisch, ja gefährlich. Bringen wir also die Begriffe Glaube und Kirche, Glaube und Gesellschaft zusammen in den Dienst der Nächsten und der Welt!</p>
<p><em>* 	Jean-Jacques Beljean ist Pfarrer in Neuenburg und ehemaliger Synodalratspräsident der reformierten Kirche in Neuenburg.</em></p>
<hr />
<p><em>Von Jürg Welter *</em></p>
<p>Abraham glaubte ohne Kirche. Jakob rang allein mit dem Engel. Einsam glaubte Jesus im Garten Gethsemane. Saulus wurde nicht durch eine Kirche zu Paulus. Simone Weil glaubte, ohne der Kirche anzugehören. Geglaubt wurde ursprünglich ohne Kirche und später oft gegen sie.</p>
<p>Glaube ist nicht das Werk der Kirche<br />
Wir kommen von einer Geschichte her, die sich aus den Ursprungssituationen gelöst hat. Kirche steht heute immer Nichtglauben und Glauben gegenüber. Lebensgeschichtlich kommt sie vor dem Glauben des Einzelnen. Sie bietet den Nochnichtglaubenden Gemeinschaft an, vermittelt, tradiert den Glauben und ermöglicht oder behindert ihn so. Glaube war und ist nie das Werk der Kirche, sondern eine Gnade Gottes.<br />
Kirche braucht Glauben, der kritisches Denken und das Bedenken der eigenen Grenzen in sich vereint. Im Laufe der Kirchengeschichte gab es stets Denk- und Spiritualitätsmodelle, die halfen, den Glauben der Einzelnen wachsen zu lassen. Zu finden sind sie oft in Bewegungen und Denktraditionen, die wir etwas ungenau «mystisch» nennen. Es ging in erster Linie um eine Frömmigkeit, die den Menschen unmittelbar vor Gott stellte und ihn so den Ansprüchen der Institution Kirche entzog. Der spätmittelalterliche Theologe und Philosoph Meister Eckhart sagt in seinen Reden der Unterweisung (Kap. 20): «Lass dir deinen Gott nicht absprechen noch ab­predigen.»</p>
<p>Die Seele muss frei sein<br />
Sein Schüler Johannes Tauler formuliert in Predigt 6 zu Mt. 11,29f:<br />
«Der inwendige edle Mensch ist aus dem edlen Grund der Gottheit gekommen und nach dem edlen lauteren Gott gebildet und wird wieder dorthin eingeladen und hineingerufen und hingezogen, dass er all des Gutes teilhaftig zu werden vermag, dass der edle, wonnigliche Grund von Natur besitzt; das kann die Seele durch göttliche gnade erlangen.» Und etwas später: «Oh, wie edel und lauter auch die irdischen Bilder sind, alle sind sie ein Hindernis dem Bild bar jeder Form, das Gott ist.»<br />
Das Hindernis zu Gott ist Tauler folgend nicht unsere Weltlichkeit oder Unfrömmigkeit. Die Kirche(n) selbst, ihre Formen und Dogmen, ihre Gebete, Riten und Wahrheiten sind es. Der Mystiker fährt weiter: «Die Seele, in der sich die Sonne spiegeln soll, die muss frei sein und ledig aller Bilder, denn wo irgendein Bild sich in dem Spiegel zeigt, da vermag sie Gottes Bild nicht aufzunehmen.»<br />
Tauler steht da in der Tradition Eckharts, der eine weg- und masslose Frömmigkeit (einen weg âne weg) vertritt, die den Einzelnen von traditionellen Formen löst. Es geht Eckhart bei der Weiselosigkeit des Verhältnisses Gottes zum Menschen um ein Überschreiten aller Masse, weil Gottes Wirken selbst masslos ist. Soll die Seele für Gottes Selbstmitteilung offen werden, muss sie all ihr Mass und all ihre Massstäbe verlieren und bestimmungslos werden. «Erst wenn sie die wîse der engel und aller geschaffener vernunft überschreitet, vermag sie, Gott und in Gott alle Dinge masslos zu lieben.»<br />
Die Konsequenz aus diesen Gedanken lautet: Es gibt keinen Zugang, keinen Weg zu Gott. In Predigt 5b schreibt Eckhart harsch: «Wer immer Gott auf Wegen sucht, findet Wege und verliert Gott, der auf Wegen verborgen ist.»<br />
Er verweist auf den mittelalterlichen Abt Bernard von Clairvaux, der sagte: «Die Weise Gott zu lieben das ist Weise ohne Weise … Wie lieb wir Gott haben sollen, dafür gibt es keine bestimmte Weise: so lieb, wie wir nur immer vermögen, das ist ohne Weise.» Offenbarung Gottes ist nur möglich, wenn der Mensch seine kreaturhaften Bestimmungen ablegt und in die ursprüngliche Bildhaftigkeit Gottes findet. Solange wir Menschen sind und solange irgend etwas Menschliches an uns lebt und wir uns in einem Zugang befinden, so sehen wir Gott nicht; wir müssen emporgehoben und in lautere Ruhe versetzt werden und so Gott sehen. Die Offenbarung Gottes bedeutet eine solche Überformung durch das göttliche Licht, plötzlich und unvermittelt. Darin werden alle Weisen durch die Gegenwart Gottes überschritten. Dies kann im Seelengrund geschehen; dort ist Gott gnadenhaft und unmittelbar präsent.</p>
<p>Es braucht Wege über lange Zeit<br />
Aus dem Geschilderten ergeben sich einschneidende Konsequenzen für die Frage nach einem spirituellen Weg und der Rolle der Institution Kirche. Die Idee der Weise- und Weglosigkeit lehnt äussere Formen nicht ab, sondern bejaht die Pluralität der Weisen. Im 17. Kapitel der «Reden der Unterweisung» schreibt Meister Eckhart: «Du musst erkennen und darauf gemerkt haben, wozu du von Gott am stärksten gemahnt seist; denn mitnichten sind die Menschen alle auf einen Weg zu Gott gerufen.» Betrachten wir diesen Text genauer, so lässt sich ein aktuelles Programm spiritueller Toleranz und einer Entmächtigung tradierter Formen herauslesen.</p>
<p>Es gelten sechs Grundsätze:</p>
<ol>
<li>1.	Gott hat der Menschen Heil nicht an eine besondere Weise gebunden.</li>
<li>Niemandes Weise verachten.</li>
<li>Nicht kann ein jeglicher nur eine Weise haben, und nicht können alle Menschen nur eine Weise haben, noch kann ein Mensch alle Weisen noch eines jeden Weise haben.</li>
<li>Ein jeder behalte seine gute Weise und beziehe alle anderen Weisen darin ein und ergreife in seiner Weise alles Gute.</li>
<li>Wechsel macht unstet Geist und Weise. Um Geist und Weise zusammenzuhalten, braucht es Wege über lange Zeit; eigentlich sind es fast immer Lebenswege. Das erinnert an einen Gedanken der französischen, jüdischen Philosophin und Mystikerin Simone Weil (1909–1943): Jede Religion ist die einzig wahre; das heisst, in dem Augenblick, da man sie denkt, muss man ihr soviel Aufmerksamkeit entgegenbringen, als gäbe es nichts anderes, ebenso ist jede Landschaft, jedes Bild, jedes Gedicht usw. einzig schön. Zur Synthese der Religion bedarf es nur einer geringwertigeren Aufmerksamkeit.</li>
<li>Nicht alle Menschen können einem Weg folgen.Soll ein Weg gelebte Spiritualität werden, so muss das Tradierte in einen eigenen Weg verwandelt werden, sonst bleibt nichts als geistlose Form. Ohne eine solche Transformation gibt es keine eigenständige religiöse Erfahrung. Völlig autonome Wege laufen ebenfalls Gefahr, inhaltslos und leer zu werden. Sie bleiben von Tradition, Geschichte und Gemeinschaft abgeschnitten. Für eine lebendige Spiritualität ist das Wechselspiel von Heteronomie und Autonomie befruchtend.</li>
</ol>
<p>Frömmigkeit entzündet sich an tradierten Wegen und tendiert zugleich zu deren Kritik und Überschreitung. Die Position Meister Eckharts ermöglicht Distanz und Kritikfähigkeit. Sie bejaht die Pluralität der Wege, führt aber darüber hinaus, indem der eigene Weg, insofern er vom Ich geprägt ist, als «eigener» in Frage gestellt wird.<br />
Eckhart postuliert eine Weglosigkeit, die vom Ich, das erfährt, geniesst und beseligt ist, wegführt: «Das bevinden ist nicht in dîner gewalt.»<br />
Eckhart ist aktuell, weil sein Ansatz eine Frömmigkeit kritisiert, die das Ich ins Zentrum setzt. Er individualisiert zwar, aber stellt Individualismus und Ichkult radikal in Frage. Da ist keine Spiritualität, die einem konsumistischen Ich Bedeutung und Mehrwert verschaffen soll. Der Glaubende wird in die Gemeinschaft und die Weltverantwortung zurückgewiesen.<br />
Eckhart stellt in seiner Theologie der Armut (nicht wollen, nicht wissen, nicht haben), der Abgeschiedenheit und des Sichselbstlassens die Macht des Ichs ebenso in Frage wie die «Macht» der Kirche und ihrer Formen.</p>
<p><em>* Jürg Welter ist reformierter Pfarrer im Berner Münster.</em></p>
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		<title>Wie wirken sich der starke Franken und der schwache Euro auf Ihre Organisation aus?</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:47:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Frage, zwei Antworten Von Hans Krummenacher-Wüest * Der starke Schweizer Franken wirkt sich auf unsere tägliche Arbeit auf zwei Ebenen aus: Einerseits beeinflusst er die Finanzen unseres Hilfswerks, anderseits hat er Folgen für unsere Zielgruppe – die bedürftigen Menschen. &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/wie-wirken-sich-der-starke-franken-und-der-schwache-euro-auf-ihre-organisation-aus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=135&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine Frage, zwei Antworten</em></p>
<p><em>Von Hans Krummenacher-Wüest *</em></p>
<p>Der starke Schweizer Franken wirkt sich auf unsere tägliche Arbeit auf zwei Ebenen aus: Einerseits beeinflusst er die Finanzen unseres Hilfswerks, anderseits hat er Folgen für unsere Zielgruppe – die bedürftigen Menschen. Ich gehe zuerst auf die Konsequenzen für Caritas Schweiz ein, danach kurz auf die möglichen Auswirkungen für die Menschen in der Schweiz.<br />
<span id="more-135"></span>Der Schweizer Franken ist vor allem deshalb stark, weil der Euro und der US-Dollar schwach sind. Diese Aussage erscheint vielleicht etwas lapidar, sie ist aber vor allem für unsere Ausgabenseite bedeutsam. Gegenüber den Währungen der Entwicklungsländer ist der Franken weniger stark. Während der Franken zum Beispiel gegenüber dem Euro in diesem Jahr um 17 Prozent angestiegen ist, hat er gegenüber dem Haitianischen Gourde nur um sieben Prozent zugenommen.</p>
<p>Auf der Einnahmenseite ist der schwache Euro ein Problem. Rund ein Fünftel unserer Einnahmen können wir bei ausländischen Organisationen erwirtschaften. Erhalten wir beispielsweise eine Million Euro für Schulen in Somalia, wären das anfangs Jahr umgerechnet 1,5 Millionen Franken gewesen. Ende 2010 waren es nicht mehr ganz 1,3 Millionen. Natürlich sichern wir die Währungsrisiken ab, doch ist das nur für einen beschränkten Zeitraum möglich.</p>
<p>Zusammenfassend betrachtet profitieren wir bei den Ausgaben vom starken Franken, bei den Einnahmen erleiden wir aber einen Verlust. Diese zwei Effekte haben sich Ende 2010 ziemlich genau kompensiert. In Zahlen: sieben Pro­-zent Währungsgewinn auf 48 Prozent unserer Ausgaben kompensieren 17 Prozent Währungsverlust auf 19 Prozent der Einnahmen.</p>
<p>Trotz guter Konjunkturprognosen für die Schweiz könnte sich das mit einem Schlag ändern: Sinkt der Euro weiter so schnell, bricht der Absatz der Schweizer Exportindustrie ein und damit schnellt die Arbeitslosigkeit empor. Die damit verbundene soziale Not würde den Staat, die Politik, die Wirtschaft und natürlich auch Caritas Schweiz vor grosse Herausforderungen stellen.</p>
<p><em>* Hans Krummenacher-Wüest leitet beim Katholischen Hilfswerk Caritas den Bereich Finanzen und Administration und ist Mitglied der Geschäftsleitung.</em></p>
<hr />
<p><em>Von Ueli Locher *<br />
</em></p>
<p>Wechselkursschwankungen gehören zu den Risiken, mit welchen eine international tätige Organisation wie das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen HEKS umzugehen hat. Der aktuell sehr starke Franken – oder umgekehrt die Schwäche der Fremdwährungen – ist für uns keine aussergewöhnliche Situation, sondern Teil des normalen Tagesgeschäftes. HEKS ist in zwei Bereichen von Wechselkursschwankungen betroffen: in der Anlagepolitik und bei der Auszahlung von Beiträgen an Partner in Ländern des Südens.</p>
<p>Wie die Reserven von HEKS angelegt werden sollen, ist in einem vom Stiftungsrat genehmigten Anlagereglement festgelegt. Dort steht zum Beispiel, wie hoch der Anteil an Obligationen und Aktien in Fremdwährungen sein darf. Da wir in jüngster Zeit bei Anlagen in ausländische Titel sehr zurückhaltend waren, fielen auch die Währungsverluste im vergangenen Jahr bescheiden aus. Damit die Kursschwankungen nicht zu Lasten von Spendengeldern gehen, wird in guten Jahren aus den Kursgewinnen eine Wertschwankungsreserve aufgebaut. Aus dieser können in weniger guten Jahren die Verluste gedeckt werden.</p>
<p>Bei den Überweisungen in Länder mit HEKS-Projekten gilt grundsätzlich, dass ein Erstarken des Frankens unsere Kosten senkt. Verträge mit ausländischen Partnern werden in der Regel in US-Dollar oder Euro abgeschlossen. Bei der Budgetierung in Schweizer Franken muss für diese Währungen ein Wechselkurs angenommen werden. Ist der Franken zum Zeitpunkt der Überweisung stärker als bei der Budgetierung, entstehen uns geringere Aufwendungen. Wir können dann mit dem gleichen Budget mehr Projekte realisieren.</p>
<p>Um die Planbarkeit der Transaktionen zu erhöhen, werden in der Regel grössere Beträge an Fremdwährungen eingekauft. So hat HEKS zum Beispiel im Frühjahr 2010 US-Dollar und Euro zu Kursen eingekauft, die damals deutlich höher waren als heute. Für die Überweisungen im letzten Sommer konnten wir also nicht vom erstarkten Franken profitieren. Dies war erst Ende 2010 der Fall, möglicherweise auch im laufenden Jahr. Über mehrere Jahre gesehen, lassen sich die grössten Ausschläge der Wechselkurse mit tranchenweisen Einkäufen von Fremdwährungen einigermassen ausgleichen.</p>
<p><em>* Ueli Locher ist Direktor des HEKS, des  Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen Schweiz.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sekfeps.wordpress.com/135/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sekfeps.wordpress.com/135/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=135&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Individualisierung kollektiver Risiken</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:47:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neue Krankheit Burn-out beschreibt menschliche Zustände wie etwa Erschöpfung, Angst und Schlafstörungen, die als Kehrseite unserer Arbeitswelt gelten. Die verletzliche Seite des Menschen, auch seine Leistungsgrenze, wird mit der Definierung «burn out» zu etwas erklärt, das therapiert werden muss. &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/individualisierung-kollektiver-risiken/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=137&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die neue Krankheit Burn-out beschreibt menschliche Zustände wie etwa Erschöpfung, Angst und Schlafstörungen, die als Kehrseite unserer Arbeitswelt gelten. Die verletzliche Seite des Menschen, auch seine Leistungsgrenze, wird mit der Definierung «burn out» zu etwas erklärt, das therapiert werden muss. Die Arbeitskultur wird kaum in Frage gestellt.</em></p>
<p><em>Von Frank Mathwig *</em></p>
<p>Der Konsum von Prozac hatte 2004 in Grossbritannien derart zugenommen, dass das Antidepressivum im Trinkwasser nachweisbar war. In der Schweiz verzeichnet die Invalidenversicherung psychische Erkrankungen an erster Stelle der Neuberentungen. Die im Jahr 2003 vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO herausgegebene Stress-Studie schätzt die Arztkosten und Kosten wegen Produktionsausfällen aufgrund von Stress-Leiden auf etwas mehr als vier Milliarden Franken, was ungefähr 1,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes BIP entspricht. Das sind deutliche Anzeichen. Aber worauf weisen sie hin?</p>
<p><span id="more-137"></span>Seit geraumer Zeit werden psychische Belastungs- und Krankheitsphänomene im beruflichen Kontext unter dem Titel «Burn-out» diskutiert. Der US-amerikanische Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger verwendet den Begriff erstmals 1974, um spezifische berufsbedingte Stress-Symptome zu beschreiben, die er bei sich und seinen Mitarbeitenden beobachtet hatte. Er nennt neben Symptomen der Erschöpfung, Ermüdung, des Motivationsverlusts und somatischen Beschwerden, ein aggressives Verhalten und eine zynisch-abwertende Haltung gegenüber dem Umfeld bei gleichzeitigem Misstrauen, paranoiden Vorstellungen und sozialem Rückzug.</p>
<p>Psychische Phänomene lassen sich häufig nicht so einfach und eindeutig diagnostizieren wie ein Beinbruch. Das prägt unsere Einstellungen dazu: Ein Beinbruch ist Unglück, eine psychische Erkrankung gilt in den Augen vieler als persönliche Niederlage oder gar als charakterliches Defizit. Auch die Betroffenen haben ihre gesellschaftliche Lektion gut gelernt: «Reiss dich zusammen!» – Und genau damit fangen häufig die Probleme an. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zählt in einer Publikation von 2007 eine Reihe gesundheitsgefährdender Faktoren auf: Unsichere Arbeitsverhältnisse auf einem instabilen Arbeitsmarkt, Globalisierungsrisiken, neue Formen von Arbeitsverträgen, Gefühl von Arbeitsplatzunsicherheit, lange Arbeitszeiten, Intensivierung der Arbeit, schlanke Produktion und Outsourcing, hohe emotionale Anforderungen bei der Arbeit, unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.</p>
<p><strong>Burn-out gibt es in allen Berufen</strong></p>
<p>Die Ursachen sind bekannt und figurieren unter den Überschriften «Individualisierung», «Flexibilisierung», «Eigenverantwortung». «Eigenverantwortung» bedeutet in einer globalisierten Wirtschaft die Bereitschaft zu Beweglichkeit und Anpassung an die beruflichen Herausforderungen. Wer diesen Anforderungen und Belastungen nicht gewachsen ist, entwickelt Krankheitssymptome, wie sie unter anderem als «burn out», «ausbrennen», beschrieben werden. Bezeichnenderweise lassen sich diese Symptome nicht nur bei einer einzelnen sozialen Gruppe oder in bestimmten Berufen beobachten: Von Burn-out-Symptomen sind Managerinnen genauso betroffen wie Lehrer, Pflegepersonal wie Ärzte, Akademikerinnen wie Arbeiter.</p>
<p>Hinter diesen Beobachtungen verbirgt sich ein allgemeiner Zusammenhang: die Verlagerung gesellschaftlicher Risiken auf den einzelnen Menschen. Selbstverantwortung ist der Preis für persönliche Freiheit. Das zeigen beispielhaft die gesundheitspolitischen Diskussionen um gestaffelte Krankenkassenprämien abhängig vom Nikotinkonsum, Körpergewicht, betriebenen Risikosportarten oder von der Präventionsdisziplin. Je mehr das Individuum von sozialen Pflichten entbunden wird, desto weniger kann das Individuum umgekehrt Ansprüche auf die Solidarität der anderen erheben. Ohne Pflichten keine Rechte.</p>
<p>Burn-out-Symptome können nicht von der psychosomatischen Konstitution der Person getrennt werden, die darunter leidet. Die Belastungsgrenzen von Menschen hängen von vielen Faktoren ab und sind ungleich verteilt. Aber folgt daraus, dass die spezifische Konstitution eines Menschen dessen Burn-out verursacht hat? Das wäre allenfalls die halbe Antwort. Denn die Forderungen, die jemand an sich selbst richtet, bilden die Innenseite der Erwartungen, die von aussen an die Person herangetragen werden. Die Last besteht viel weniger in den beruflichen Anforderungen selbst, als in dem Druck, diesen Erwartungen genügen zu müssen, dem gesellschaftlichen Leistungsniveau zu entsprechen und sich dadurch soziale Anerkennung zu sichern.</p>
<p><strong>Neugestaltung der Arbeitenden</strong></p>
<p>Die Arbeitsrisiken haben sich in den letzten gut hundert Jahren grundlegend verändert: Anstelle körperlicher rücken psychische Gefährdungen zunehmend in den Vordergrund. Das ist mehr als bloss eine Verschiebung vom Körper auf die Seele. Ging es im Zuge der Industrialisierung um eine humane Neugestaltung der Arbeit, steht heute die Neugestaltung der Arbeitenden auf dem Programm. Zugespitzt: Bestand das Problem früher in der Fremdausbeutung der physischen Arbeitskraft, geht es heute um die psychische und mentale Selbstfunktionalisierung auf einem globalen Markt.</p>
<p>Der mögliche Einwand an dieser Stelle, dass Menschen doch frei seien, sich diesen Erwartungen zu  stellen oder zu verweigern, zeigt nur, wie perfekt die Spielregel der Internalisierung gesellschaftlicher Forderungen funktioniert. Noch prekärer ist dabei die Rehabilitierung eines alten diskriminierenden Märchens, das heute umgekehrt erzählt wird. Sein Titel: «Vom Millionär zum Tellerwäscher». Sein Inhalt: «Es liegt an Dir (an Deinem Willen, Engagement oder Deiner Belastbarkeit), wenn Du es nicht schaffst, oben zu bleiben.»</p>
<p>In der Konsequenz heisst das: Wer es nicht schafft, konstant Leistung zu bringen, ist krank. Dies legt jedenfalls die Krankheitsdefinition von Burn-out nahe. Ist die «Erfindung» der Krankheit 1974 nicht im Grunde Ausdruck des gesellschaftlichen Anpassungsdrucks? Wird Gesundheit nicht auf eine Fitness reduziert, die sich in der erwarteten Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz zeigt?</p>
<p>Auffällig in den Debatten um Burn-out ist das Fehlen der längst bekannten sozialmedizinischen Einsicht, wonach Verhaltensprävention ohne Verhältnisprävention wirkungslos bleibt. Der Umgang mit Burn-out-Patientinnen und -Patienten bestätigt die Tendenz, den ökonomischen und gesellschaftlichen Anpassungsdruck der einzelnen Person aufzubürden. So wird ihnen zum Beispiel auf vielen Webseiten Stressmanagement, Zeitmanagement, Meditation und Bewegung in der freien Natur empfohlen. Die Frage, ob die Arbeitsverhältnisse für die betroffene Person angemessen sind, steht nicht im Zentrum.</p>
<p><strong>Sind die Arbeitsverhältnisse angemessen?</strong></p>
<p>Ist das, was von den Menschen permanent gefordert wird, auch das, was den Menschen als Menschen entspricht? Diese Frage steht im Zentrum der Wirtschaftsethik von Arthur Rich. Der Zürcher Theologe und Ethiker formuliert in seinem ethischen Hauptwerk mit der Suche nach dem «Menschengerechten» eine Aufgabe, denen sich kirchliche Diakonie und Seelsorge im Umgang mit Burn-out-Kranken zu stellen hat. So sehr Betroffene die seelsorgerlichen Angebote der Kirchen brauchen, so wenig dürfen sich Kirchen auf Wiederherstellungsstrategien beschränken. Vielmehr haben sie die grundlegende Einsicht protestantischer Ethik im 20. Jahrhundert fruchtbar zu machen, dass keine Person unabhängig von den gesellschaftlichen Bedingungen existiert, die sie prägt und herausfordert sowie fördern und schädigen kann. Ein gesundes Leben braucht ein heilsames soziales Umfeld in menschengerechten gesellschaftlichen Strukturen. Das Burn-out-Syndrom ist so gesehen ein Symptom für den Zustand unserer Arbeitskultur und -verhältnisse.</p>
<p>Wie weit der Leistungsdruck inzwischen geht, zeigt die zunehmende Verwendung des eingangs erwähnten Antidepressivums als leistungsförderndes Mittel. An US-amerikanischen Universitäten wird deshalb überlegt, Dopingtests vor Prüfungen einzuführen, weil die steigende Einnahme von Prozac eine gerechte Beurteilung der Prüfungsleistungen längst in Frage stellt.</p>
<p><em>* PD Dr. Frank Mathwig ist Beauftragter für  Theologie und Ethik beim Schweizerischen  Evangelischen Kirchenbund SEK.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sekfeps.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sekfeps.wordpress.com/137/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=137&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>«Mir liegt auch die Seelsorge der Chefs am Herzen»</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 10:47:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[«Es gibt Alternativen zum Glücksgefühl aus dem Erfolg», sagt der höchste Schweizer Protestant Gottfried Locher. Der neue Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK versteht sich in erster Linie als Geistlicher. Von Maja peter * Wer ist der Mann, &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2011/01/21/%c2%abmir-liegt-auch-die-seelsorge-der-chefs-am-herzen%c2%bb/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=141&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>«Es gibt Alternativen zum Glücksgefühl aus dem Erfolg», sagt  der höchste Schweizer Protestant Gottfried Locher. Der neue Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK versteht sich in erster Linie als Geistlicher.</em></p>
<p><em>Von Maja peter *</em></p>
<p>Wer ist der Mann, der eine Managerausbildung, eine Militärkarriere und eine akademische Tätigkeit hinter sich hat und am Tag seiner Wahl zum höchsten Protestanten am Fernsehen in erdigem Deutsch verkündete: «Wir haben ein Evangelium zu verkünden». Machtmensch, Karrierist, Missionar? «Ich bin Pfarrer», sagt der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK.<br />
<span id="more-141"></span>Er sagt es nicht aus Bescheidenheit. Ein Pfarrer muss nach Gottfried Lochers Verständnis höchsten Anforderungen genügen. In einer Predigt zur Ordination von jungen Pfarrerinnen und Pfarrern 2009 im Berner Münster sagte er: «Eure Gemeinden werden schauen, wie Ihr lebt, weil Ihr Gottes Wort immer verkündigt, auch im Alltag. Man kann das zuweilen als Überforderung erleben. Ich jedenfalls genüge den Ansprüchen an einen glaubwürdigen 24-Stunden-am-Tag-Lebensverkündiger nicht sehr überzeugend. (…) Aber es ist nun mal das einzige, das mir möglich ist.»</p>
<p>Sich zu bemühen und doch nicht alles erreichen zu können, frustriert Gottfried Locher nicht. Die eigenen Grenzen im Bewusstsein anzuerkennen, von Gott trotzdem in Liebe angenommen zu werden, empfindet er vielmehr als tröstlich. Deshalb möchte er den Menschen Mut machen, ihre Schwächen zu akzeptieren − auch jenen, die in verantwortungsvollen Positionen stehen. «Ich möchte Alternativen aufzeigen zum Glücksgefühl aus dem Erfolg», sagt er und zitiert: « ‹Mein Reich ist nicht von dieser Welt›, sagte Jesus.»</p>
<p>In seiner Predigt an die frisch ordinierten Kolleginnen und Kollegen forderte Gottfried Locher, dessen Grossvater schon Theologe war, sie sollten sich in die Gesellschaft einbringen. «Wo Budgets gemacht, wo Personal angestellt, wo Projekte beschlossen, Leitbilder erstellt (…), wo Strategien verabschiedet werden, mische Dich ein, sei Diener des göttlichen Wortes.»</p>
<p><strong>Auf Augenhöhe mit den Mächtigen</strong><br />
Als Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK, der über zwei Millionen Protestantinnen und Protestanten in 26 Mitgliedkirchen vertritt, kann sich der 44-jährige Vater von drei Kindern auf höchster Ebene einmischen. Er wird auf Augenhöhe mit Bundesräten über Sterbehilfe diskutieren, mit Kardinal Kurt Koch über Ökumene und mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, über die Eurokrise. Er wird im Fernsehen und am Radio die Gesellschaft an die Werte erinnern, die im Evangelium zentral sind: An die Verantwortung jedes Einzelnen, an den Schutz der Verletzten, der Minderheiten, an die freie Meinungsäusserung und die Gleichberechtigung. «Die Werte unseres Landes sind auch die des Christentums.» Das Gebot der Nächstenliebe bezieht Gottfried Locher ausdrücklich auch auf die Verantwortungsträger von Politik und Wirtschaft. «Wir sind traditionellerweise stark darin, die Schwachen zu schützen. Mir liegt auch die Seelsorge der Chefs am Herzen.» Als er nach dem Studium für sechs Jahre die Leitung der Schweizer Kirche in London übernahm, habe er Einblick bekommen in die Sorgen von Führungskräften, sagte er gegenüber der Handelszeitung. Dieses Umfeld faszinierte ihn so, dass er an der renommierten London Business School ein MBA-Nachdiplomstudium absolvierte.</p>
<p>Gottfried Locher, der den gleichen Namen trägt wie Vater und Grossvater, hat früh viel erreicht: Er doktorierte, diente in der Schweizer Armee als Oberstleutnant, war Leiter der Abteilung Aussenbeziehungen beim SEK, leitete bis Ende 2010 das Institut für Ökumenische Studien der Universität Freiburg und war zwei Jahre lang Synodalrat der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Für einen Menschen, der sich an den Begriffen «Nächstenliebe», «Hoffnung» und «Demut» orientiert, ein auf den ersten Blick ungewöhnlicher Werdegang. Mit Blick auf Calvins Theologie hingegen nicht: Verantwortung zu tragen ist gemäss dem Genfer Reformator Pflicht für privilegierte Menschen wie Gottfried Locher. Kann sein, dass der Tod seines Vaters mit 56 Jahren ihn zusätzlich antreibt, in seiner Lebenszeit möglichst viel zu erreichen. «Ich hätte nur noch elf Jahre zu leben», sagt er.</p>
<p><strong>Den Glauben erkennbar machen</strong><br />
Ein hohes Arbeitsethos wird seit dem Soziologen Max Weber gemeinhin mit Protestantismus verbunden. Doch was bedeutet evangelisch-reformiert zu sein sonst noch? Der Berner lacht: «Hoffentlich mehr, als nicht katholisch zu sein.» Er, der mit dem Einsiedler Abt Werlen befreundet ist und sich zur Einkehr gerne in dessen Kloster zurückzieht, bedauert, dass die Reformierten mit spirituellen Traditionen aus der Alten Kirche gebrochen haben und im Gottesdienst das Sinnliche vernachlässigen. Die Protestanten sollen seiner Meinung nach den Glauben auch über Symbole und Zeichen erleben dürfen und ihn nicht nur als gesprochenes Wort vernehmen. Das Abendmahl, zum Beispiel, gehört für ihn zu jedem Gottesdienst.</p>
<p>Als wichtige Errungenschaften der Reformation bezeichnet er den starken Einbezug der Laien in die Kirche und die flache Hierarchie. «Das finde ich schützenswert», sagt der Ökumenespezialist. Und was möchte er in seiner Kirche, die sich rühmt, sich stetig zu reformieren (ecclesia semper reformanda), verändern? «Die Strukturen müssen überdacht werden, um unser Profil zu stärken: Reformieren, was im 16. Jahrhundert reformiert wurde.» Im Klartext heisst das, die evangelisch-reformierte Kirche soll sich nicht nur an neuen Trends, sondern auch an alten Traditionen orientieren dürfen, um den christlichen Glauben erkennbar zu machen. Gottfried Locher findet es zum Beispiel problematisch, dass evangelisch-reformierte Pfarrer, die in einer Diskussionssendung am Fernsehen auftreten, nicht erkennbar sind als Geistliche. «Wir haben eine andere Funktion in der Gesellschaft, wir sprechen aus einer anderen Perspektive», gibt er zu bedenken. In der Predigt an die frisch ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrer formulierte er es so: «Das Pfarramt ist mehr als ein Beratermandat.»</p>
<p>Im Gegensatz zu römisch-katholischen Geistlichen stehen protestantische Pfarrer mit ihrem Auftrag, Vorbild zu sein, alleine da. Sie können sich nicht an Autoritäten orientieren, bei keinem Bischof Rat holen. «Die Seelsorge an den Pfarrern ist ein ungelöstes Problem», sagt der höchste Protestant – auch für ihn. Kraft schöpft er bei Unsicherheiten und Zweifeln, bei Anfeindungen und Kritik im Gebet. Morgens und abends zieht er sich nach Möglichkeit zehn Minuten zurück für ein sogenanntes Stundengebet. Eines seiner liebsten geht auf den Einsiedler und Politiker, den Heiligen Niklaus von Flüe (15. Jahrhundert) von Stans zurück:</p>
<p>Mein Herr und mein Gott,<br />
nimm alles von mir,<br />
was mich hindert zu dir.<br />
Mein Herr und mein Gott,<br />
gib alles mir,<br />
was mich fördert zu dir.<br />
Mein Herr und mein Gott,<br />
nimm mich mir<br />
und gib mich ganz zu eigen dir.</p>
<p><em>* Maja Peter ist Redaktorin des bulletins.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sekfeps.wordpress.com/141/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sekfeps.wordpress.com/141/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=141&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>«Der Spass-Faktor ist wichtig geworden»</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 05:50:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[2011 wird in der EU die Freiwilligenarbeit gewürdigt – ein Thema, das auch in den reformierten Kirchen der Schweiz intensiv diskutiert wird. Dr. Lotti Isenring, Beauftragte für Freiwilligenarbeit der evangelischreformierten Landeskirche Zürich und Vorstandsmitglied des Freiwilligenforums, bezeichnet die Kirche als &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2010/11/12/%c2%abder-spass-faktor-ist-wichtig-geworden%c2%bb/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=74&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>2011 wird in der EU die Freiwilligenarbeit gewürdigt – ein Thema, das auch in den reformierten Kirchen der Schweiz intensiv diskutiert wird. Dr. Lotti Isenring, Beauftragte für Freiwilligenarbeit der evangelischreformierten Landeskirche Zürich und Vorstandsmitglied des Freiwilligenforums, bezeichnet die Kirche als Pionierin auf diesem Gebiet und erklärt, warum Kritik Freiwilligen manchmal gut tut.</em></p>
<p><strong>Frau Isenring, worauf müsste die Gesellschaft verzichten, wenn es nicht so viele Freiwillige gäbe, die für die Kirche arbeiten?</strong><br />
Freiwillige der reformierten Kirche ermöglichen unter anderem die Dienstleistungen der Dargebotenen Hand, Besuchsdienste bei älteren oder kranken Menschen zuhause oder im Heim, Angebote zur Entlastung von Eltern mit kleinen Kindern oder den fairen Handel über die Claro-Läden. Für das kirchliche Hilfswerk HEKS unterrichten Freiwillige Deutsch. Sehr viele Jugendliche engagieren sich in Ferienlagern für Kinder, im Jugendtreff, organisieren Events, etwa für Freerider. Die Kirche gibt ihnen dafür Raum. Nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch die Kirche selbst ist darauf angewiesen, dass Menschen sich für andere einsetzen.</p>
<p><span id="more-74"></span><strong>Dann ist Kirchesein eng mit Freiwilligenarbeit verbunden?</strong><br />
Die Kirche bietet einerseits Menschen, die sich mit der Gesellschaft auseinandersetzen und sich mit Gleichgesinnten für Solidarität engagieren wollen, Raum. Andererseits ist es für viele Mitglieder der Kirche selbstverständlich, sich am kirchlichen Leben zu beteiligen – was man als Freiwilligenarbeit bezeichnen kann.<strong></strong></p>
<p><strong>Dann sind die Freiwilligen Botschafter der Kirche.</strong><br />
Botschafter, Brückenbauer und in hohem Mass Multiplikatorinnen. Wenn sie gute Erfahrungen machen, erzählen sie das weiter und prägen das Bild der Kirche.</p>
<p><strong>Fairer Handel und Entwicklungshilfe, die u.a. von HEKS, Brot für Alle und den Claro-Läden getragen werden, sind mit der Initiative von Freiwilligen der Kirche entstanden. Heute bieten sogar die Grossverteiler Produkte aus fairem Handel an. Ist die Kirche dank Freiwilligenarbeit Pionierin?</strong><br />
Bei der Einführung des Sozialzeitausweises hat sie eine Pionierrolle eingenommen. Die Grundlagen wurden von der Berner Kirche erarbeitet. Auch wenn es um den Einsatz für Gerechtigkeit geht, soziale Angebote für Menschen am Rand der Gesellschaft, um Genderfragen, gehört die Kirche mit ihren engagierten Mitgliedern zu den Vorreiterinnen. Das «Priestertum aller Gläubigen», von dem die reformierte Kirche spricht, ist radikal basisorientiert. Das ist eine riesige Chance. Gelänge es, mehr Menschen zu mobilisieren für eine gerechte Welt, für ein sinnvolles Leben, könnte die Kirche aus einem enormen Potential schöpfen. Nur gelingt es leider nicht immer.</p>
<p><strong>Warum nicht?</strong><br />
Erstens geht die Zahl der freiwilligen Einsätze insgesamt zurück. Zweitens hat die Kirche Strukturen, die nicht sehr flexibel sind. Das Schweizerische Rote Kreuz hat zum Beispiel Projekte, welche mit kirchlichen Strukturen nicht realisierbar sind.</p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong><br />
Freiwillige begleiten Ausschaffungshäftlinge oder sie arbeiten mit dem stadtärztlichen Dienst zusammen und betreuen chronisch kranke Menschen, die mit der medizinischen Versorgung nicht zu recht kommen.</p>
<p><strong>Warum ist so etwas in der reformierten Kirche nicht möglich?</strong><br />
Jede Kirchgemeinde werkelt für sich und ist vor allem mit dem innerkirchlichen Alltagsleben beschäftigt. Grössere Projekte gelingen aber nur, wenn Kirchgemeinden zusammen arbeiten und wenn die Mitarbeiter der verschiedenen Berufsgruppen, wie Pfarrerin, Sozialdiakon, Büroangestellte verzahnt agieren. Dieses Miteinander findet sehr zögerlich statt. Zudem gibt es in vielen Kirchgemeinden keine ausgewiesene Ansprechperson. Einmal ist es der Pfarrer, einmal die Sozialdiakonin. Ruft jemand an und bietet seine Dienste an, kann es sein, dass er oder sie niemanden findet, der sich um sein Anliegen kümmert. Nimmt sich schliesslich jemand der Sache an, hat er oder sie oftmals keine Ahnung, wo es Bedarf gäbe für Wissen und Arbeitskraft einer Freiwilligen.</p>
<p><strong>Woran liegt das?</strong><br />
Ich höre oft «wir haben schon so viel am Hut, wir können uns nicht um noch mehr kümmern.» Es sind alle am Limit.</p>
<p><strong>Dann ist es eine Ressourcenfrage.</strong><br />
Und eine Frage der Prioritäten. Es stellt sich aber noch ein anderes Problem. Es gelingt einzelnen Kirchgemeinden zwar durchaus, neue Freiwillige zu gewinnen. Doch die bestehenden reagieren zum Teil verärgert auf sie.</p>
<p><strong>Verärgert?</strong><br />
Das Selbstverständnis hat sich geändert. Vor den 60er Jahren hat sich ein religiöser Mensch vom Glauben her verpflichtet gefühlt, sich freiwillig zu engagieren. Diese Menschen sagten, sie wollten keine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Es gehörte sich nicht. Für die nächste Generation war Freiwilligenarbeit unter anderem Selbstverwirklichung. Die ganz Jungen sehen darin Selbstmanagement. Sie wollen Erfahrungen sammeln, die sie im Berufsleben weiterbringen. Sie wissen, dass es sich im Lebenslauf gut macht, sich freiwillig zu engagieren. Auch der Spass-Faktor ist wichtig geworden. Dass neu Engagierte etwas von ihrem Einsatz erwarten, ist den Alteingesessenen ein Dorn im Auge. Jüngere treten auch fordernder auf. Mir hat beispielsweise einer gesagt, er erwarte, dass Sitzungen straff geführt würden. Seine Zeit sei ihm zu schade für endlose Sitzungen. Ein weiterer Reibungspunkt ist, dass die «Neuen» nicht mehr unbedingt den Gottesdienst besuchen. Das empfinden die «Alten» als Kränkung und stellen die Echtheit des Engagements in Frage, was wiederum die «Neuen» ärgert.</p>
<p><strong>Ist denn die Bereitschaft, unentgeltlich zu arbeiten, nicht implizit praktizierte Nächstenliebe?</strong><br />
Helfen, solidarisch sein ist noch immer eine starke Motivation, auch bei den Jungen. Aber es wird nicht mehr als christliches Anliegen bezeichnet.</p>
<p><strong>In welchen Bereichen ist es einfach, Menschen zur Freiwilligenarbeit zu motivieren?</strong><br />
In Zürich gibt es Weiterbildungen für Jugendliche, die sich engagieren möchten. Die Verantwortlichen müssen immer wieder Jugendliche abweisen, so gross ist der Ansturm. Auch in der Spitalseelsorge oder bei der Dargebotenen Hand finden sich problemlos Freiwillige. Überall dort, wo Projekte mit den Freiwilligen zusammen entwickelt werden und diese etwas Anspruchsvolles machen können, ist es einfacher, Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Gehen die Kirchgemeinden aber noch wie früher rein vom Bedürfnis des Pfarrers oder von innerkirchlichen Belangen aus, finden sie kaum Freiwillige. Auch die Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen, ist gesunken.</p>
<p><strong>Freiwilligeneinsätze verlangen heute auch viele Firmen. Junge Berufseinsteiger, die «Generation Praktikum», müssen gratis arbeiten, um eine Chance zu haben auf dem Arbeitsmarkt. Wo ist die Grenze zwischen Freiwilligenarbeit und Dumpinglohn?</strong><br />
Die Abgrenzung ist wichtig, aber nicht ganz einfach. Früher war zum Beispiel Unterrichten in der Sonntagsschule Freiwilligenarbeit, die vor allem von Frauen geleistet wurde. Dann begann man, diese Arbeit zu entschädigen, weil man der Meinung war, dass Frauen nicht immer gratis arbeiten sollen. Darauf stellte sich die Frage, warum diese Frauen etwas bekommen und andere nicht. Heute werden alle kirchlichen Beauftragte im Kanton Zürich entschädigt, wenn auch gering. So wird eine Grenze gezogen zwischen Mandat und Freiwilligenarbeit. Ich rate den Kirchgemeinden, Grenzen zu ziehen, um Frustration vorzubeugen. Arbeitsrechtlich ist der Unterschied klar: Der Freiwillige entscheidet, welche Aufgabe er übernimmt und welche nicht. Die Beauftragte hat hingegen ein Pflichtenheft, das sie erfüllen muss.</p>
<p><strong>Gefährden Freiwillige Stellen im regulären Arbeitsmarkt?</strong><br />
Das sollte nicht sein. Mit ihrer Initiative generieren Freiwillige teilweise neue Arbeitsplätze, wie das etwa bei den Claro-Läden der Fall ist. Teilweise ergänzen sie bezahlte Arbeit, indem sie mehr Zeit aufbringen können für Aufgaben, die sich finanziell nicht lohnen.</p>
<p><strong>Was motiviert Freiwillige?</strong><br />
Freiwilligenarbeit bietet die Möglichkeit, aus dem eigenen Umfeld auszutreten und etwas Neues auszuprobieren, neue Kontakte zu knüpfen. Wenn man will, mit Menschen aus einem anderen Milieu oder in einer anderen Lebensphase. Man kann je nach gewählter Betätigung etwas machen, was sich vom eigenen Beruf unterscheidet. Freiwilligenarbeit ist Experimentierfeld, Freiraum. Das ist eine Qualität, die bezahlte Arbeit<br />
nur beschränkt hat.</p>
<p><strong>Wie gelingt Freiwilligenarbeit zur Zufriedenheit aller?</strong><br />
Am wichtigsten ist die Haltung der Kirchgemeinden. Sie sollen die Freiwilligen willkommen heissen als Menschen, die etwas ermöglichen. Sie sollten sie in ihrer Tätigkeit begleiten. Das heisst, Raum geben für Begabungen, aber auch Grenzen setzen. Wichtig ist zudem, dass man im Voraus über gegenseitige Erwartungen spricht und Aufgaben sowie den zeitlichen Einsatz definiert. Die Feedbackkultur ist ebenfalls entscheidend.</p>
<p><strong>Darf man einer freiwilligen Mitarbeiterin sagen, dass sie ihre Arbeit nicht gut macht?</strong><br />
Wenn vor Arbeitsbeginn klare Abmachungen getroffen wurden, gehören Rückmeldungen zur Feedbackkultur − auch negative. Die Menschen fühlen sich ernster genommen, wenn man sie kritisiert, als wenn man nichts sagt. Feedback geben ist eine wichtige Führungskompetenz, die in der Kirche verstärkt werden sollte.</p>
<p><strong>Wie steht es mit der Zuverlässigkeit?</strong><br />
Der Freiwillige geht selbstgewählt Verpflichtungen ein, die nicht unverbindlich sind. In gewissen Bereichen wird mangelnde Zuverlässigkeit beklagt, in anderen gar nicht. Ein deutscher Forscher hat herausgefunden, dass die Leute länger bei ihrer Verpflichtung bleiben, wenn sie für sich einen Nutzen sehen. Wenn Leute nur Hilfsarbeiten für jemanden übernehmen sollen, sind sie in der Regel weniger motiviert.</p>
<p><strong>Eine Mitarbeiterin der Kirche hat mir gesagt, der Ruf nach Freiwilligen ziehe vor allem fundamentalistische Kirchenmitglieder an, die ihr Engagement mit Missionieren verbänden.</strong><br />
Ich habe von mehreren Gemeinden gehört, in denen das so ist. Evangelikale Kreise erwarten vielfach von den Mitgliedern, dass sie für die Kirche arbeiten. Übernehmen sie das Ruder, kommt es vor, dass sich die anderen Freiwilligen zurückziehen.</p>
<p><strong>Wie gehen die Gemeinden damit um?</strong><br />
Das sorgt verschiedentlich für Aufruhr. Zum Teil kommt es zu Spaltungen, zum Teil sucht man mit Supervision gemeinsame Wege, es gibt Kirchgemeinden, die ihr Angebot ausbauen. Werden die Angebote für Freiwillige bewusst erarbeitet und die Menschen in ihren Bedürfnissen abgeholt, zieht das auch jene Kreise an, die keinen missionarischen Anspruch haben. Denn gerade in Besuchsdiensten ist das ein heikler Aspekt. Die Angebote sind ja eine Dienstleistung an Menschen. Fühlen sie sich bedrängt, verzichten sie auf den Besuchsdienst.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sekfeps.wordpress.com/74/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sekfeps.wordpress.com/74/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=74&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Neuste Zahlen zur Freiwilligenarbeit in der Kirche</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 05:40:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Studie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kirchen sind auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen: Über 36 Prozent der Arbeitsstunden, die in religiösen Non-Profit-Organisationen NPOs erbracht werden, leisten Freiwillige. Das ist überdurchschnittlich viel, wie die neuste Studie des Institutes für Verbandsmanagement der Universität Freiburg (VMI) zeigt. &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2010/11/12/neuste-zahlen-zur-freiwilligenarbeit-in-der-kirche/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=77&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Kirchen sind auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen: Über 36 Prozent der Arbeitsstunden, die in religiösen Non-Profit-Organisationen NPOs erbracht werden, leisten Freiwillige. Das ist überdurchschnittlich viel, wie die neuste Studie des Institutes für Verbandsmanagement der Universität Freiburg (VMI) zeigt.</em></p>
<p><em>Von Hans Lichtsteiner und Stefan Bächtold *</em></p>
<p>Organisationen, die sich nicht dem Erwirtschaften von Gewinn verschrieben haben, sondern ein Sachanliegen verfolgen, bilden den Dritten Sektor der Schweiz. Sie ergänzen mit Ihren Aktivitäten die marktwirtschaftlichen wie staatlichen Angebote und leisten damit gesellschaftspolitisch bedeutende Arbeit – sei dies in sozialer, kultureller, wirtschaftlicher, aber auch spiritueller Hinsicht. Zu diesen Nonprofit-Organisationen (NPO) gehören auch die Kirchen. Da die Leistungen von NPO jedoch zu oft nur am Rande wahrgenommen und auch statistisch kaum erhoben werden, hat das Institut für Verbandsmanagement der Universität Freiburg/CH (VMI) kürzlich im Rahmen einer gross angelegten Studie versucht, diese zu erfassen und auch einmal in konzentrierter Form darzustellen. Die Studie zeigt unter anderem, dass der Freiwilligenarbeit in kirchlichen Organisationen ein ganz besonderer Stellenwert eingeräumt werden muss.</p>
<p><span id="more-77"></span>Auf den ganzen Arbeitsmarkt gesehen geht die Studie des VMI von knapp 80&#8217;000 Vollzeitstellen aus, welche in der Schweiz jährlich auf unentgeltlicher Basis für NPO geleistet wird – sei dies für Menschen in Not, für eigene (Freizeit-)Interessen, oder für das Gemeinwohl. Dies entspricht knapp 2 Prozent des in der Schweiz insgesamt geleisteten Arbeitsvolumens. Erbracht wir diese Leistung von rund 25 Prozent der Bevölkerung in der Alterklasse zwischen 15 und 75 Jahren. Im Durchschnitt engagieren sich diese Personen 12,8 Stunden pro Monat für NPO als Freiwillige. Dabei gibt es signifikante Unterschiede zwischen Frau und Mann, wer sich in welchen Bereichen engagiert (Vgl. Abbildung 1).<br />
Bei den kirchlichen Institutionen besteht dabei ein klarer Überhang an Frauen, die bereit sind, sich für die kirchlichen Anliegen zu engagieren. Wenn man bedenkt, dass über 36 Prozent der Arbeitsleistungen in religiösen NPO von Freiwilligen erbracht werden, wird eines klar: Ohne das Engagement und die unterschiedlichsten Fähigkeiten, welche diese Personen in die Institution einbringen, könnten die meisten religiösen Organisationen ihren Betrieb in der heutigen Form gar nicht aufrecht erhalten.</p>
<p>Dies ist nichts Aussergewöhnliches; in den meisten Bereichen, in welchen NPO tätig sind, sieht die Situation ähnlich aus. Dennoch liegt der Anteil der Arbeit, der in religiösen Organisationen von Freiwilligen erbracht wird, leicht über dem Durchschnitt. Im Bereich der Religion wird nur geringfügig weniger freiwillige Arbeit erbracht als im Bereich der Bürger- und Verbraucherinteressen und der Politik, jedoch klar mehr als in Bereichen wie zum Beispiel dem Umwelt- und Naturschutz.</p>
<p><strong>Freiwillige leisten für Kirchen Arbeit für 150 Millionen</strong><br />
Die Bedeutung des Engagements von Freiwilligen in religiösen Organisationen wird auch deutlich, wenn man sich den Geldwert ihrer geleisteten Arbeit ansieht. Müsste für diese Leistungen, die in den unterschiedlichsten Formen im Dienste der Religion erbracht werden, bezahlt werden, käme ein stattlicher Betrag zusammen: Die Studie des VMI geht von einem Gegenwert von weit über 150 Mio. Schweizer Franken aus, welcher pro Jahr als unentgeltliche Freiwilligenarbeit erbracht wird. Die Freiwilligenarbeit ist also auch aus der Budgetperspektive für religiöse Organisationen unverzichtbar.</p>
<p>Die Studie des VMI erfasste ausschliesslich die privaten Nonprofit Organisationen (NPO). Nach international gängigen Kriterien gehören dazu nur diejenigen Organisationen, welche explizit vom Staat getrennt sind. Bei den Kirchen ist diese Situation ambivalent: Da in den meisten Kantonen Kirchensteuern über die staatliche Steuererklärung erhoben werden, gelten die grossen, staatlich anerkannten Kirchen nicht als private NPO und werden entsprechend von der Studie nur ungenügend erfasst.</p>
<p>Dennoch wird klar, die bereits beeindruckende Zahl von Freiwilligen, welche sich im religiösen Bereich engagieren, dürfte in der Realität noch grösser sein. Ebenso der Beitrag, welche all diese Personen an unsere Gesellschaft leisten.</p>
<p><em>*Dr. Hans Lichtstei ner ist Ökonom und Direktor für Weiterbildung am Institut für Verbandsmanagement der Universität Freiburg,</em></p>
<p><em>BA en sc. soc. Stefan Bächtold ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des VMI und Projektmitarbeiter der Studie. Die Studie «Der Dritte Sektor der Schweiz» des Instituts für Verbands-, Stiftungs- und Genossenschafts-Management der Universität Freiburg/CH ist im Oktober 2010 im Paul Haupt Verlag, Bern, erschienen.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/sekfeps.wordpress.com/77/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/sekfeps.wordpress.com/77/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=77&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>In die Unternehmenskultur investieren</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Nov 2010 05:10:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sekfeps</dc:creator>
				<category><![CDATA[Position]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Finanzkrise hat die Weltwirtschaft, ja die ganze westliche Gesellschaft, erschüttert. Deshalb ist der Ruf nach einer alternativen Wirtschaftsordnung ¬– wie sie der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK vorschlägt − oder mindestens nach einer viel radikaleren Regulierung der Finanzwirtschaft verständlich. Doch &#8230; <a href="http://sekfeps.wordpress.com/2010/11/12/in-die-unternehmenskultur-investieren/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=sekfeps.wordpress.com&amp;blog=14662582&amp;post=80&amp;subd=sekfeps&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Finanzkrise hat die Weltwirtschaft, ja die ganze westliche Gesellschaft, erschüttert. Deshalb ist der Ruf nach einer alternativen Wirtschaftsordnung ¬– wie sie der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK vorschlägt − oder mindestens nach einer viel radikaleren Regulierung der Finanzwirtschaft verständlich. Doch ist das die richtige Medizin? Hat es doch gerade im Finanzsektor nicht an Regulierung gemangelt. Braucht es nicht viel eher Arbeit an der Entwicklung vertrauensbildender Unternehmenskulturen?</p>
<p>Von Walter B. Kielholz, Verwaltungsratspräsident von Swiss Re</em></p>
<p>Unternehmen bewegen sich in einem sich schnell verändernden Umfeld aus dem sich kontinuierlich neue Chancen, aber auch Herausforderungen und Risiken ergeben. Unternehmen stehen in einem Spannungsfeld zwischen Mitarbeitern, Aktionären, Kunden, Regulatoren und der Gesellschaft mit all ihren Anspruchsgruppen. Noch vor wenigen Jahren galt die Maximierung des Shareholder value, des Aktionärswertes also, als das zentrale anzustrebende Ziel.</p>
<p><span id="more-80"></span>Die Orientierung am Shareholder value ist nicht falsch und steht mit einer vertrauensbildenden Unternehmenskultur auch nicht im Widerspruch. Aber gerade in der Finanzwirtschaft muss dieses Ziel bewusst mit langfristigem Denken ergänzt werden, welches zu nachhaltiger Wertesteigerung führt. Damit werden die Anliegen der Gesellschaft berücksichtigt, was die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens steigert. Neben wirtschaftlichem Erfolg, müssen auch Aspekte der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit ins tägliche Geschäft einfliessen. Dazu braucht es neben einem rechtlich und regulatorisch stabilen Umfeld eben eine starke Unternehmens- und Risikokultur &#8211; sowohl nach innen als auch nach aussen.</p>
<p>Mitarbeiter, die wissen, wofür ihr Unternehmen steht und die ihre Wertschätzung über gute Entlöhnung wie auch über eine facettenreiche Arbeit, aktive Anerkennung und Weiterentwicklungsmöglichkeiten spüren, sind loyaler, bringen bessere Leistungen und sind innovativer, was dem Unternehmen, den Kunden und Investoren wieder zu Gute kommt. Dazu braucht es eine Unternehmensführung, die Mitarbeiter motiviert und in ihrer Leistungsfähigkeit stimuliert. Um die Herausforderungen der Gesellschaft aktiv anzugehen, braucht es zukunftsfähige Geschäftsmodelle, die sich genauso an langfristigen Werten orientieren wie sie kurzfristig in der Lage sein müssen, die Herausforderungen zu meistern.  So tragen sie zur Stabilität der Wirtschaft als verlässlichen Partner der Gesellschaft bei.</p>
<p>Indem ein Unternehmen seine spezifische Verantwortung in der Gesellschaft wahrnimmt, trägt es seine Unternehmenskultur auch nach aussen. Die Angelsachsen haben dafür einen schönen Begriff: Den good corporate citizen, das Unternehmen als guter Bürger, als Teil der Gesellschaft mit Rechten und Pflichten. Einen Arbeitstag pro Jahr für Freiwilligenarbeit zu spenden, wie dies viele amerikanische Firmen und auch die Swiss Re tut, ist eine Möglichkeit, dieser Forderung nachzukommen. Sich kulturell an den Orten, an denen das Unternehmen angesiedelt ist, zu engagieren, eine andere. Corporate Responsibility muss aber sehr direkt mit dem Produkt oder der Dienstleistung, die ein Unternehmen anbietet, in Verbindung stehen, um nicht als reine Public Relation Massnahme entlarvt zu werden. Dann ist sie meiner Meinung nach erst glaubwürdig und tiefgreifend.</p>
<p>Swiss Re beispielsweise engagiert sich stark für den Klimaschutz. Der Klimawandel kann dazu führen, dass Wettereignisse extremer werden und wir mehr Dürren, Stürme und Überschwemmungen zu erwarten haben. Alles Schadensereignisse für die wir als Rückversicherer häufig bezahlen müssen, wo wir aber auch grosse Expertise besitzen. Deshalb liegt es nahe, dass wir unsere eigenen Risikomodelle den veränderten Bedingungen anpassen, innovative Lösungen für unsere Kunden entwickeln und uns für Klimaprojekte engagieren. Die Swiss Re unterstützt zusammen mit gemeinnützigen Organisationen beispielsweise Hilfsprojekte in Dürregebieten. In Äthiopien – um ein Projekt herauszupicken &#8211; finanzieren wir ein Projekt, wo Bauern eine Dürreversicherung erwerben können, in dem sie an Klimaprojekten mitarbeiten, dazu gehört es Bäume zu pflanzen oder Bewässerungsgräben zu bauen. All diese Projekte sind langfristig angelegt und helfen mit, dass die Bauern nicht durch eine Dürre, die ihre Ernte zerstört, verarmen. Ziel ist es, diese Projekte so auszugestalten, dass sie ökonomisch tragfähig sind.</p>
<p>Als Rückversicherer sind wir gewöhnt, die Risikolandschaft ständig zu analysieren und neue Erkenntnisse in unser Geschäft einfliessen zu lassen. In den nächsten Jahren werden noch einige grosse Herausforderungen auf uns zu kommen. Der Klimawandel ist nur eine davon. Die Langlebigkeit und die immer stärker fehlenden Finanzmittel für die Pensionskassensysteme vieler Staaten und Bürger sind eine weitere Herausforderung.<br />
Solche wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen können nur gemeistert werden, wenn wir eine aktive Auseinandersetzung mit den heute anstehenden Risiken pflegen und innovative Lösungen finden. Doch sie entstehen nicht in einem überregulierten Umfeld, sondern in einem für Mitarbeiter motivierenden Umfeld, in dem Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen und langfristigen Wert schaffen …. auch für die Aktionäre.</p>
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