Wie wirken sich der starke Franken und der schwache Euro auf Ihre Organisation aus?

Eine Frage, zwei Antworten

Von Hans Krummenacher-Wüest *

Der starke Schweizer Franken wirkt sich auf unsere tägliche Arbeit auf zwei Ebenen aus: Einerseits beeinflusst er die Finanzen unseres Hilfswerks, anderseits hat er Folgen für unsere Zielgruppe – die bedürftigen Menschen. Ich gehe zuerst auf die Konsequenzen für Caritas Schweiz ein, danach kurz auf die möglichen Auswirkungen für die Menschen in der Schweiz.
Der Schweizer Franken ist vor allem deshalb stark, weil der Euro und der US-Dollar schwach sind. Diese Aussage erscheint vielleicht etwas lapidar, sie ist aber vor allem für unsere Ausgabenseite bedeutsam. Gegenüber den Währungen der Entwicklungsländer ist der Franken weniger stark. Während der Franken zum Beispiel gegenüber dem Euro in diesem Jahr um 17 Prozent angestiegen ist, hat er gegenüber dem Haitianischen Gourde nur um sieben Prozent zugenommen.

Auf der Einnahmenseite ist der schwache Euro ein Problem. Rund ein Fünftel unserer Einnahmen können wir bei ausländischen Organisationen erwirtschaften. Erhalten wir beispielsweise eine Million Euro für Schulen in Somalia, wären das anfangs Jahr umgerechnet 1,5 Millionen Franken gewesen. Ende 2010 waren es nicht mehr ganz 1,3 Millionen. Natürlich sichern wir die Währungsrisiken ab, doch ist das nur für einen beschränkten Zeitraum möglich.

Zusammenfassend betrachtet profitieren wir bei den Ausgaben vom starken Franken, bei den Einnahmen erleiden wir aber einen Verlust. Diese zwei Effekte haben sich Ende 2010 ziemlich genau kompensiert. In Zahlen: sieben Pro­-zent Währungsgewinn auf 48 Prozent unserer Ausgaben kompensieren 17 Prozent Währungsverlust auf 19 Prozent der Einnahmen.

Trotz guter Konjunkturprognosen für die Schweiz könnte sich das mit einem Schlag ändern: Sinkt der Euro weiter so schnell, bricht der Absatz der Schweizer Exportindustrie ein und damit schnellt die Arbeitslosigkeit empor. Die damit verbundene soziale Not würde den Staat, die Politik, die Wirtschaft und natürlich auch Caritas Schweiz vor grosse Herausforderungen stellen.

* Hans Krummenacher-Wüest leitet beim Katholischen Hilfswerk Caritas den Bereich Finanzen und Administration und ist Mitglied der Geschäftsleitung.


Von Ueli Locher *

Wechselkursschwankungen gehören zu den Risiken, mit welchen eine international tätige Organisation wie das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen HEKS umzugehen hat. Der aktuell sehr starke Franken – oder umgekehrt die Schwäche der Fremdwährungen – ist für uns keine aussergewöhnliche Situation, sondern Teil des normalen Tagesgeschäftes. HEKS ist in zwei Bereichen von Wechselkursschwankungen betroffen: in der Anlagepolitik und bei der Auszahlung von Beiträgen an Partner in Ländern des Südens.

Wie die Reserven von HEKS angelegt werden sollen, ist in einem vom Stiftungsrat genehmigten Anlagereglement festgelegt. Dort steht zum Beispiel, wie hoch der Anteil an Obligationen und Aktien in Fremdwährungen sein darf. Da wir in jüngster Zeit bei Anlagen in ausländische Titel sehr zurückhaltend waren, fielen auch die Währungsverluste im vergangenen Jahr bescheiden aus. Damit die Kursschwankungen nicht zu Lasten von Spendengeldern gehen, wird in guten Jahren aus den Kursgewinnen eine Wertschwankungsreserve aufgebaut. Aus dieser können in weniger guten Jahren die Verluste gedeckt werden.

Bei den Überweisungen in Länder mit HEKS-Projekten gilt grundsätzlich, dass ein Erstarken des Frankens unsere Kosten senkt. Verträge mit ausländischen Partnern werden in der Regel in US-Dollar oder Euro abgeschlossen. Bei der Budgetierung in Schweizer Franken muss für diese Währungen ein Wechselkurs angenommen werden. Ist der Franken zum Zeitpunkt der Überweisung stärker als bei der Budgetierung, entstehen uns geringere Aufwendungen. Wir können dann mit dem gleichen Budget mehr Projekte realisieren.

Um die Planbarkeit der Transaktionen zu erhöhen, werden in der Regel grössere Beträge an Fremdwährungen eingekauft. So hat HEKS zum Beispiel im Frühjahr 2010 US-Dollar und Euro zu Kursen eingekauft, die damals deutlich höher waren als heute. Für die Überweisungen im letzten Sommer konnten wir also nicht vom erstarkten Franken profitieren. Dies war erst Ende 2010 der Fall, möglicherweise auch im laufenden Jahr. Über mehrere Jahre gesehen, lassen sich die grössten Ausschläge der Wechselkurse mit tranchenweisen Einkäufen von Fremdwährungen einigermassen ausgleichen.

* Ueli Locher ist Direktor des HEKS, des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen Schweiz.

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