Von Reise­berichten und Eindrücken

Die Reportage von der letzten Etappe der Nahostreise einer Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK im letzten bulletin gab Anlass zu Diskussionen. Für den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund äussert sich nun der Theologe und Historiker Zsolt Keller zum Thema Mauerbau in Israel.

Von Zsolt Keller *

Dass Christen ins «Heilige Land» reisen und davon berichten, hat eine lange Tradition. Israel beherbergt eine Vielzahl von Kulturgütern, dem das Judentum und Christentum sowie der Islam eine grosse Bedeutung beimessen. Der SEK-Delegierte Christian Vandersee hat für die Novemberausgabe des SEK-Bulletins einen persönlichen Bericht über eine Israel-Reise verfasst, der neben eindrücklichen Schilderungen auch schwierigere Zwischentöne enthält. Die zum Ausdruck gebrachte Empathie gegenüber der misslichen humanitären Lage breiter Bevölkerungsschichten ist nachvollziehbar. Humanitäres Leid ist in jedem Fall zu bekämpfen.
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«Korruption kann alle treffen»

Vor Korruption ist kein Unternehmen gefeit – auch ein Hilfswerk nicht. Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle, des Entwicklungsdienstes der Evangelischen Kirchen in der Schweiz, und Yvan Maillard Ardenti, Verantwortlicher für Faire Finanzen und Korruptionsbekämpfung, erklären, wie sich die Hilfswerke gegen die Gefahr wappnen.

Das Gespräch führe Maja Peter *

Nach dem Spendenaufruf für die Überschwemmungsopfer in Pakistan wurden Bedenken laut, die Gelder landeten in falschen Taschen. Sind sie berechtigt?
Dietschy: Ich kann die Bedenken verstehen, weil Pakistan gemäss Transparency International sehr anfällig ist für Korruption. Zudem hat die Regierung Pakistans keinen guten Ruf in der Schweiz, unter anderem weil die Taliban dort tätig sind. Entscheidender für die Spendenbereitschaft war jedoch, dass sich die Flutkatastrophe langsam entwickelt hat. Dadurch war das Ausmass der Überschwemmungen erst mit der Zeit erkennbar. Doch die Hilfsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung war erstaunlich.

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Gewinnen ist alles

Wir leben in einer Zeit zunehmender Kommerzialisierung des Leistungs­sports. Die menschliche Dimension von Wettkampf und Leistung findet je länger je weniger Beachtung. Die damit verbundenen spirituellen und ethischen Herausforderungen werden ausgeblendet.

Von Denis Müller *

Der Sprache des Sports bedient sich schon Apostel Paulus im Neuen Testament. Er schreibt in seinen Briefen vom Lauf des Gläubigen auf dem Weg zum ewigen Leben oder von der Anstrengung zur Erlangung des Siegeskranzes. Durch die Begriffe «siegreicher Lauf» und «guter Kampf des Glaubens» wird eine profane und heidnische Wirklichkeit religiös codiert.
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Braucht Glaube Kirche?

Zwei reformierte Theologen beantworten die Frage ungleich. Den
spätmittelalterlichen Mystikern folgend stellt der Berner Münster­pfarrer Jürg Welter den Menschen unmittelbar vor Gott. Pfarrer Jean-Jacques Beljean erklärt, warum man den Glauben nicht von Beziehungen und somit von der Kirche trennen kann.

Von Jean-Jacques Beljean *

Die Frage ist für unsere Epoche bezeichnend. Sie löst zwei einander entgegen gesetzte Reaktionen aus:

  • Glaube ohne Kirche ist nichts; die Kirche überliefert den Glauben und ist selbst Gegenstand des Glaubens, da sie im Heilsplan Gottes der Leib Christi ist.
  • Glaube ist eine persönliche, individuelle Angelegenheit; er gehört in den Bereich des Privaten und erfordert keine Zugehörigkeit zu einer Institution oder Kirche.

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Wie wirken sich der starke Franken und der schwache Euro auf Ihre Organisation aus?

Eine Frage, zwei Antworten

Von Hans Krummenacher-Wüest *

Der starke Schweizer Franken wirkt sich auf unsere tägliche Arbeit auf zwei Ebenen aus: Einerseits beeinflusst er die Finanzen unseres Hilfswerks, anderseits hat er Folgen für unsere Zielgruppe – die bedürftigen Menschen. Ich gehe zuerst auf die Konsequenzen für Caritas Schweiz ein, danach kurz auf die möglichen Auswirkungen für die Menschen in der Schweiz.
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Individualisierung kollektiver Risiken

Die neue Krankheit Burn-out beschreibt menschliche Zustände wie etwa Erschöpfung, Angst und Schlafstörungen, die als Kehrseite unserer Arbeitswelt gelten. Die verletzliche Seite des Menschen, auch seine Leistungsgrenze, wird mit der Definierung «burn out» zu etwas erklärt, das therapiert werden muss. Die Arbeitskultur wird kaum in Frage gestellt.

Von Frank Mathwig *

Der Konsum von Prozac hatte 2004 in Grossbritannien derart zugenommen, dass das Antidepressivum im Trinkwasser nachweisbar war. In der Schweiz verzeichnet die Invalidenversicherung psychische Erkrankungen an erster Stelle der Neuberentungen. Die im Jahr 2003 vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO herausgegebene Stress-Studie schätzt die Arztkosten und Kosten wegen Produktionsausfällen aufgrund von Stress-Leiden auf etwas mehr als vier Milliarden Franken, was ungefähr 1,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes BIP entspricht. Das sind deutliche Anzeichen. Aber worauf weisen sie hin?

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«Mir liegt auch die Seelsorge der Chefs am Herzen»

«Es gibt Alternativen zum Glücksgefühl aus dem Erfolg», sagt der höchste Schweizer Protestant Gottfried Locher. Der neue Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK versteht sich in erster Linie als Geistlicher.

Von Maja peter *

Wer ist der Mann, der eine Managerausbildung, eine Militärkarriere und eine akademische Tätigkeit hinter sich hat und am Tag seiner Wahl zum höchsten Protestanten am Fernsehen in erdigem Deutsch verkündete: «Wir haben ein Evangelium zu verkünden». Machtmensch, Karrierist, Missionar? «Ich bin Pfarrer», sagt der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK.
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«Der Spass-Faktor ist wichtig geworden»

2011 wird in der EU die Freiwilligenarbeit gewürdigt – ein Thema, das auch in den reformierten Kirchen der Schweiz intensiv diskutiert wird. Dr. Lotti Isenring, Beauftragte für Freiwilligenarbeit der evangelischreformierten Landeskirche Zürich und Vorstandsmitglied des Freiwilligenforums, bezeichnet die Kirche als Pionierin auf diesem Gebiet und erklärt, warum Kritik Freiwilligen manchmal gut tut.

Frau Isenring, worauf müsste die Gesellschaft verzichten, wenn es nicht so viele Freiwillige gäbe, die für die Kirche arbeiten?
Freiwillige der reformierten Kirche ermöglichen unter anderem die Dienstleistungen der Dargebotenen Hand, Besuchsdienste bei älteren oder kranken Menschen zuhause oder im Heim, Angebote zur Entlastung von Eltern mit kleinen Kindern oder den fairen Handel über die Claro-Läden. Für das kirchliche Hilfswerk HEKS unterrichten Freiwillige Deutsch. Sehr viele Jugendliche engagieren sich in Ferienlagern für Kinder, im Jugendtreff, organisieren Events, etwa für Freerider. Die Kirche gibt ihnen dafür Raum. Nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch die Kirche selbst ist darauf angewiesen, dass Menschen sich für andere einsetzen.

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Neuste Zahlen zur Freiwilligenarbeit in der Kirche

Die Kirchen sind auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen: Über 36 Prozent der Arbeitsstunden, die in religiösen Non-Profit-Organisationen NPOs erbracht werden, leisten Freiwillige. Das ist überdurchschnittlich viel, wie die neuste Studie des Institutes für Verbandsmanagement der Universität Freiburg (VMI) zeigt.

Von Hans Lichtsteiner und Stefan Bächtold *

Organisationen, die sich nicht dem Erwirtschaften von Gewinn verschrieben haben, sondern ein Sachanliegen verfolgen, bilden den Dritten Sektor der Schweiz. Sie ergänzen mit Ihren Aktivitäten die marktwirtschaftlichen wie staatlichen Angebote und leisten damit gesellschaftspolitisch bedeutende Arbeit – sei dies in sozialer, kultureller, wirtschaftlicher, aber auch spiritueller Hinsicht. Zu diesen Nonprofit-Organisationen (NPO) gehören auch die Kirchen. Da die Leistungen von NPO jedoch zu oft nur am Rande wahrgenommen und auch statistisch kaum erhoben werden, hat das Institut für Verbandsmanagement der Universität Freiburg/CH (VMI) kürzlich im Rahmen einer gross angelegten Studie versucht, diese zu erfassen und auch einmal in konzentrierter Form darzustellen. Die Studie zeigt unter anderem, dass der Freiwilligenarbeit in kirchlichen Organisationen ein ganz besonderer Stellenwert eingeräumt werden muss.

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In die Unternehmenskultur investieren

Die Finanzkrise hat die Weltwirtschaft, ja die ganze westliche Gesellschaft, erschüttert. Deshalb ist der Ruf nach einer alternativen Wirtschaftsordnung ¬– wie sie der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK vorschlägt − oder mindestens nach einer viel radikaleren Regulierung der Finanzwirtschaft verständlich. Doch ist das die richtige Medizin? Hat es doch gerade im Finanzsektor nicht an Regulierung gemangelt. Braucht es nicht viel eher Arbeit an der Entwicklung vertrauensbildender Unternehmenskulturen?

Von Walter B. Kielholz, Verwaltungsratspräsident von Swiss Re

Unternehmen bewegen sich in einem sich schnell verändernden Umfeld aus dem sich kontinuierlich neue Chancen, aber auch Herausforderungen und Risiken ergeben. Unternehmen stehen in einem Spannungsfeld zwischen Mitarbeitern, Aktionären, Kunden, Regulatoren und der Gesellschaft mit all ihren Anspruchsgruppen. Noch vor wenigen Jahren galt die Maximierung des Shareholder value, des Aktionärswertes also, als das zentrale anzustrebende Ziel.

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